21-08-17-CoTaBu-Telefonterror, ärgerliche Diskrepanzen + Afghanistan

Wenn ich mir den ganzen Tag den Mund fusselig rede und auf jeden eingehe bis zum Umfallen, mit jemandem alles 3/4 Stunden bis zur Melasse durchkaue, die Indikation fraglich ist, Ansprüche und Fragen mich bei der dritten Runde im Kreis langsam strapazieren (wenn wir uns ENTSCHEIDEN, ins Hospiz zu gehen… welche Entscheidung, wenn ich sage, die Indikation stimmt nicht – wie sind denn genau die Kriterien – wenn alles an Lebensverlängerung gewünscht wird – bekommt er dann auch Antibiotika, wenn…. und ja klar PEG wegen der Schluckstörung, wie ist es mit Besuchsregelung, obwohl ich überdeutlich die Vorstellung bremse, dass es hier „einen Anspruch gibt“), es wieder von vorn losgeht und warum gibt es überhaupt nicht mehr Hospizplätze; ich das Gespräch endlich stoppe, die nötigen Schritte sind aufgezeigt, Weiteres wird sich daraus ergeben – selbst wenn wir einen Platz hätten, was nicht der Fall ist, könnten wir ihn nicht Ihrem Mann geben, er bringt die Voraussetzungen nicht mit aber aber aber….dann könnte ich ausflippen, wenn ich realisiere, dass Gregor an einem meiner Freitage jemandem, die er kennt, für den Schwiegervater einen Platz in Aussicht gestellt hat, der im Heim ist (offiziell Ausschlusskriterium, außer das Heim kapituliert oder es geht über eine Palliativsstation, was bei fehlender Indikation keine Mögklichkeit ist). Der Mann aber ist lebensmüde nach Schlaganfall… tragische Situation, mit der wir regelmäßig konfrontiert sind – aber keine Hospizindikation. Nichtmal den Papst würden wir so aufnehmen. Ich könnte in die Tischkante beißen! Und wer nicht alles wartet! Scheißtag! Stattdessen sehe ich uns in der Verantwortung für den 48-jährigen obdachlosen Alkoholkranken, der sich fast, aber eben nicht ganz zu Tode gesoffen hat, den die Palli ablehnt, weil es „ein reines Versorgungsproblem ist“, ebenso sämtliche Pflegeheime, „weil er zu jung ist“ und auch, weil so einen keiner will, er aber nunmal ein Mensch ist, auch wenn ihn Leberzirrhose und Hirnschäden nicht zum Traumpatienten machen. – Dann komme ich heim und es geht um Afghanistan. Was hat es damit auf sich?! Es geht nicht mit rechten Dingen zu.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Ein tiefer Einblick in deine derzeitige Arbeit. Es rührt mich, dass du dem obdachlosen Alkoholiker eine Chance geben willst, bei euch einzuziehen. Und Afghanistan macht sprachlos.

  2. Renate sagt:

    Mein Kommentar ist weg. Ein Scheißtag, wie du schreibst.
    Ich kommentiere morgen

    Ich kann nicht mehr bloggen.

  3. Renate sagt:

    Die uneinsichtigen Angehörigen, der Vorstoß von Herrn Linnemann machen zusammen diesen Tag, an dem du alles hinschmeißen könntest. Verständlich dass es dir reicht. Was in Afghanistan passiert ist nicht zu fassen. Die Taliban geben sich so soft und versprechen viel. Es ist so schrecklich.

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