22-03-30-CoTaBu-Coronaerschöpft im Hospiz – dement im Krankenhaus + gedanklich in Feldafing
Der gestrige Tag hat Sonja und mich umgehauen. Es war wie mit Sack überm Kopf, Zunge am Knie und wirklich schwach. Mittags haben wir uns nacheinander in Sessel gelegt und geschlafen. Heute arbeitet sie vormittags, ich nachmittags. Ein unsäglicher Zustand, ich hätte es nicht geglaubt. Was reizend war: Eine Dame kam mit mir ins Gespräch, die Freundin einer Patientin. Es stellte sich heraus, sie sei aus Feldafing. Sie wollte mir Feldafing erklären. Aber am Ende wohnt sie wirklich in „meinem“ Haus, in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Hutschenreuthervilla im Tiefparterre, wo ich regelmäßig mit dem Hausmeisterkind gespielt habe. Wer die Umstände kennt weiß, wie unwahrscheinlich das ist; es ist ja nicht ein Haus mit allen möglichen Parteien, allein wie sie da hineingekommen ist! Sie kannte noch den alten Professor, sogar Moni, die als letztes der drei Kinder gestorben ist am Tag nach der Beerdigung der Mutter. Ich bin eingeladen, soll im Juni kommen. Wir haben über jeden Baum im Garten, Walnuss, Magnolie, Pfrsichbaum an „meinem“ Fenster, über den Teppich aus Szilla, über die Rosen, die zu „unserer“ Altane hochranken, gesprochen. Sie kennt auch Rikes Vater! Das hat mich außerordentlich belebt. Dann musste Michael seine Mutter unverrichteter Dinge wieder abholen. Sie hatte die Medikamente verweigert, stöhnte laut vor Schmerzen; er fragte die Schwester, wie es sein könne, dass sie ihn nicht anrufen, sie sei ja deshalb da! Sprach ihr telefonisch zu, dann nahm sie das ein. Neue Wirbelbrüche. Im Arztbrief steht, man habe mit ihr (und dem Sohn?) eingehend besprochen, keine Hebe-, Streck- und Drehbewegungen, Physiotherapie usw. Man fragt sich, ob diese Idioten noch nie etwas von Demenz gehört haben?! Alles bleibt wie es war, nur ein Morphinpräparat dazu. Als er sie zurückgebracht hatte rief er an. Sie saß wieder in ihrem Sessel und wusste nichts mehr von dem Spuk. Erkannte, wie immer, auch ihr eigenes Zimmer nicht, wollte, wie immer, nur nach Hause. – Wir haben zur Feier des Tages in der Schwaige gespeist, zumal er eh nochmal ins Krankenhaus musste: Sie hatten ihr die falschen Schuhe eingepackt! Gott sei Dank musste er zum Abliefern an der Pforte nicht nochmal einen Antrag ausfüllen.
Es ist kaum zu glauben dass diese Dame in „deinem“ Haus wohnt. Interessant auch dass das Gespräch darauf kam. Von Demenz haben die allerwenigsten eine Ahnung. Die Krankheit ist sehr vielschichtig, wie ich bei unserer Mutter sehe.
Das ist doch ein Wahnsinns-Zufall, kaum zu glauben, dass die Frau in diesem, deinem Haus lebt. Leider weiß ich nicht mehr, wie lange du dort gelebt hast und warum ihr dort weggezogen seid. An was du dich alles noch erinnerst, spannend. Die Story mit Anni hingegen so deprimierend. Michael ist unglaublich gefordert. Hoffentlich muss Anni nicht mehr so lange mit den Schmerzen und der Demenz leben.
ich erinnere mich noch so gut an das Haus, die Altane, den Garten und an Dein wunderschönes, unbequemes taubenblaues Biedermeierzimmer, seh dich in der Küche, höre deinen Vater „es klebt!“ und erinnere mich an so manchen Besuch bei Dir. So ein unglaublicher Zufall! Das letzte Mal, als ich von dem Haus gehört habe, bzw. von Herrn Struppler, war bei einer Führung durch Thomas Manns Villino durch Dirk Heiserer.
Anni wird es nicht mehr besser gehen. Eine schwere Zeit für Michael