23-03-18 – Schuld & Schein – Kleist – ein Wiedersehen – Geburtstagsabend + Fuß in Borstei
Letzten Sonntag mit Michael im Metropol: „Schuld und Schein. Ein Geldstück.“ Michael denkt oft über die Fiktion und den Fluch des Geldes nach. Was kam gelegener? Einzelszenen mit unterschiedlichen Repräsentanten rund ums Geld, Investor, Anleger, naiver Bürger, der immer tiefer ins Schuldennetz verstrickt wird – theatralisch überzogen, aber nicht unwahr; beinah reine Realität, mit Liedern wie „Money, money, money“ oder „Ich wollt ich wär ein Millionär“ performed, getanzt, gerockt. „Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh“ (Henry Ford). Zitate dieser Art. Unter der Woche in Sophokles‘ Antigone gelesen: „Kein ärgrer Brauch erwuchs dem Menschen als das Geld.“ Übel im Metropol: die Enge. Der Einlass ein Nadelöhr!
Montag – endlich – Susanne getroffen, die mir um Weihnachten in Christkönig, ein andermal am Nymphenburger Park begegnet war. Ein guter Grund, uns endlich – nach Jahren! – zu verabreden. Ihren Besuch „damals“ – mit Blumen – hatte ich abgewehrt. Beglückendes Zusammenkommen mit zündenden Gesprächen und Austausch über wesentliche Dinge, die uns beschäftigen. Sie war diejenige, deren Eltern und Großeltern schon mit den meinen bekannt waren.
Literarisch infolge des Käthchens in Kleists Briefen unterwegs – Eintauchen in sein Wesen. Dickes Reclam, vieleviele Seiten. Je nachdem, an wen der jeweilige Brief geht, umkreist Kleist seine Themen. Eine Reisebeschreibung an die Tante – auch die Trauer um die Mutter bringt der 15-Jährige darin zur Sprache. Einen Dank mit genauester Abschreitung des Sinns eines Geschenks an die Schwester. Die Not, sich einem Amt zu verschreiben, das Ringen um die Kündigung beim Militär und die Hinwendung zu den Wissenschaften – bei denen allerdings das Herz verkümmere, an den Lehrer. Über Tugend, Achtung, Vertrauen und Liebe an die Verlobte. Ärgerlich und zur Nervenzerreißprobe gerät sein Frauenbild, ärger noch, als er sich zu ihrem Lehrmeister aufschwingt und ihr Denkaufgaben stellt, um sie zu „bilden“.
Gabriele, meine Wiederentdeckung aus Kindergartenzeiten, die auch in meine Schreibgruppe kommt, bietet mir einen Raum in der Borstei an. Sie ist schon mehrmals auf das Thema gekommen; hätte gern, dass ich dort ein literarisches Angebot mache. Unnötig zu sagen, dass ich mich darüber freue. Man zahlt Raummiete. Eine Möglichkeit? Ich will ja nicht unendlich viel, aber bisschen was geht noch. Seit Jahren gehe ich mit einer Alternative zu dem „schwanger“, was ich als Literaturkreise kennen gelernt habe. Da ist diese große Sehnsucht in mir. Sie wird in keinem Kreis zu stillen sein, auch nicht, wenn ich ihn selber kreiere. Aber versuchen könnte ich es – nach meinen Bedürfnissen und Überzeugungen.
Freitag Abend Geburtstag bei Heike B. – traditionell in trauter Runde mit Winni und Bettina. Heike tischt enorm auf; Vorspeisenteller; Lasagne; zuletzt köstliche Tiramisu; zu viert drei Flaschen Wein. Fastenbrechen, vorübergehend! Vielleicht führen wir die Meditationsrunde privat rollierend weiter, die im Hospiz im Zuge von Corona eingegangen ist. Leider blockieren die drei einvernehmlich bzgl. Erweiterung des Personenkreises! Wie immer will ich gleich mehr…
Ich schreibe heute, weil ich morgen früh UND abends Konzertkarten habe: viel zu viel natürlich! Beide Gelegenheiten einmalig. – Seit meinem Brief an Gregor ist mein Herz ruhiger.
Immer wieder tauchen neue Namen auf, dieses mal Susanne und Gabriele. Scheinbar gibt es viele Frauen aus früheren Zeiten, zu denen du jetzt wieder Kontakt hast. Das finde ich bemerkenswert und dann sind es gleich so gute Gespräche, die du nach Jahren wieder erfahren kannst, beneidenswert. Ein literarisches Angebot, gestaltet nach deinen Vorstellungen, da wirst du sicher etwas Gutes draus machen. Die Wiederaufnahme einer Meditationsgruppe ist auch eine schöne Idee. Wenn du dann noch so viel ins Theater und in Konzerte gehst, frage ich mich, ob dir nicht langsam die Zeit knapp wird.