Besuch in Bielefeld, Spazieren mit Pidi und Hitzezustände
Ich schreibe schon heute, am Samstag, weil ich morgen sicher nicht dazu kommen werde, denn morgen bin ich in Regensburg bei meiner spirituellen Kleingruppe. Jetzt habe ich viel Zeit, denn ich sitze im ICE, der mich nach München fährt. Am Mittwoch fuhr ich nach Bielefeld, um meinen Vater und meine Geschwister zu besuchen und um meinen Resturlaub für dieses Jahr auszunutzen. Ich schlief wieder in meinem alten Kinderzimmer unterm Dach. Zwei Abende saß ich mit Papa im Wohnzimmer und wir redeten bis spät in die Nacht. Jeden Morgen lief ich in den kleinen Ort zum Bäcker, holte „Brötchen“ für uns und bereitete das Frühstück. Mein Vater schläft gerne lang und ist überhaupt ein sehr entspannter Mensch, der keine Listen schreibt, sondern eher in den Tag hinein lebt. Einen Abend Einladung zu einem Familientreffen bei meiner Schwester mit Bruder samt Frau und den Neffen. Am Donnerstag waren meine Schwester und ich in der Stadt beim Shoppen, hab mir einen Trenchcoat gekauft. Den konnte ich gleich am nächsten Tag anziehen, als ich mit meiner alten Schulfreundin Pidi spazieren ging. Das ist die Freundin, deren Mann nach einem Herzinfarkt in einen katastrophalen Zustand mit Multi-Organversagen gerutscht ist und den sie jetzt als bettlägerigen Dialyse pflichtigen schwerbeeinträchtigten Mann zu Hause versorgt. Sie ist dankbar für alles, was jetzt wieder geht und hat Hoffnung, dass es in kleinen Schritten besser wird. Der Hammer, wie sie mit ihrem Schicksal umgeht. Der Mann ist ihr 3. Ehemann, den sie erst vor wenigen Jahren geheiratet hatte. Wir gingen lange spazieren und konnten dann noch bei milden Temperaturen draußen im Eiscafe Waffeln essen. Jedes Mal nach drei Tagen hab ich genug von Bielefeld und freu mich auf daheim und auf Hubert. Was mich nervt, sind die Hitzezustände, die mich mindestens einmal pro Stunde überfallen. Auch nachts schlafe ich nicht mehr gut, wache meist um 4 Uhr vor Hitze auf und kann lange nicht mehr einschlafen. Jetzt fährt der Zug schon in Würzburg ein. Die Zeit als Zugreisende ist für mich durch schreiben, lesen, essen und aus dem Fenster schauen gut ausgefüllt. Das mag ich. Jetzt werde ich mich wieder dem 3. Band von Dörte Hansen zuwenden.
Dörte Hansen dürfte „Auf hoher See“ sein, oder? Was deine Freundin und wie sie es zu durchleben scheint zeugt davon, was in Extremsituationen passieren kann. „Immer, wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her….“. Oder: „Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht.“ Das passt zu deiner Gruppe am Sonntag. – Hitzewallungen passen gar nicht zu dir! Bei mir ist alles schon vergessen! Manche belastet das furchtbar, andere registrieren es kaum. – Ein Trenchcoat ist sicher todschick an dir! Und: Um deine große Familie beneide ich dich. Lange, nächtliche Gespräche!
Das Buch von Hansen heißt „Zur See“. Ist leider nicht so gut wie gehofft. Vielleicht lese ich am Sonntag daraus einen Abschnitt vor.