Morgen

Gestern war ich zu lange im Büro. Arbeiten, die Pflanzen gießen, mit den Kollegen reden und warten auf den Laptop, mit dem ich fortan zuhause arbeiten kann. Es war schön, dort zu sein, Ich will wieder jeden Tag dort hinkommen: Nach dem wochenlangen Fernbleiben spüre ich, dieser Platz dort ist gut für mich, füllt sich mit Leben,  Gedanken, Plänen. Jetzt nehme ich den Platz mit nach Hause in Form dieses Computers mit Headset.

Am Abend zuhause angekommen,  hatte Alina schon gekocht. Wir schauten Nachrichten. Dieses Jahr gibt es keine Befreiungsfeier in Dachau, die Hundertjährigen Befreier und ehemaligen Häftlinge mussten alle zuhause bleiben. Stornierung der Feierlichkeiten, der Hotels und so weiter, dafür der Ministerpräsident im Fernsehen, der einen Kranz niederlegt, dahinter Gabi mit versteinertem Gesicht.In diesen Tagen bin ich wieder mit dem Thema beschäftigt, morgen telefoniere ich mit Flossenbürg, morgen muss ich endlich was über die Außenlager der Konzentrationslager schreiben. Ich bin froh, dass ich nicht mehr täglich nach Dachau fahre, dass ich da nicht mehr arbeite. Mein Büro mit Blick auf den Appellplatz eingetauscht habe. Der Hausmeister und der Gärtner hatten damals auch noch ihre Wohnungen auf dem Gelände.

Morgen werde ich vielleicht recht müde sein. Beim HomeOffice sieht mich keiner. Passt schon.

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2 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Wenn ich das lese fällt mich die Erinnerung an, wie es dir damals dort ging. Im Hinblick auf das Durchdrungensein durch den Ort und was der Ort speichert und abstrahlt, habe ich heute einen ganz anderen Zugang dazu. Gut, dass du schon lange weg bist. Gabi habe ich gesucht, aber nicht gefunden, vielleicht war die Tagesschau zu kurz oder der Blick der Kamera zu schnell dafür.

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