20-05-02-CoTaBu-Ein Tag fürs Haiku – angeschlagen

Bauschige Wolken aller Grauschattierungen „schreiten durch den Himmel“, wie Ringelnatz dichtet. Ich fühle mich unwohl, anflugsweise zittrig, hab ewig geschlafen, fröstele, seit gestern Kopfweh, mag nicht vor die Tür. Herpes will nicht abklingen. Michael hat eine Kerze am Grab angezündet, so muss ich nicht unruhig sein. Er hat auf meinen Wunsch die ZEIT am Kiosk gekauft, denn ich will spätnachmittags mit ihm Zeitung lesen; wünschte mir, das für uns zu etablieren: lesen, gegenseitig aufmerksam machen, dazu Tee. Er sagt, seine Aufgabe sei wohl, zum Schein zu lesen, um allzeit bereit für die zu erwartenden Unterbrechungen und Mitteilungen meinerseits zu sein. Inbegriff des alten, zufriedenen Ehepaares für mich. Dann wollen wir Pfannkuchen mit Spinat und Hühnerfleisch essen. Für 20.15 habe ich 3SAT auf dem Programm, wofür ich auch ihn gewinnen konnte: Sandra Hüller als weibliche Hamlet. Muss sensationell sein, ich freue mich seit Tagen darauf. Immerhin sitzt kein großer Kopf vor mir, darf ich liegend genießen, hoffe auf Füßekraulen, Vorteile gegenüber echtem Theater. Wenn ich nur nicht krank werde, gleich steht Corona im Verdacht. Sonst heute ausgiebig über Haikudichtung gelesen. Yukos Kreis läuft gerade per Email. Dichten (zu bestimmtem Thema), dann wird es abgetippt, an alle verschickt, anonym bewertet (die Dichter anonym, Bewertung nicht), mit Kommentaren versehen, bis die Ergebnisse als Liste angefertigt sind. Das bekommen wir wieder, bevor sie es übersetzt an die Meisterin in Japan schickt, die alles wiederum mit ihren Kommentaren versehen zurückschickt. Viel Arbeit für Yuko. Immer hat jemand was zu bemängeln, ist vergessen worden, weiß etwas besser, wie live: das sind lauter Streitlieseln. Ich habe jetzt ein Heft in Petrolgrün mit roten Füchsen nur für Haiku. Hab was von gewaschenem Moos gelesen, es nicht gesehen aber fühle es durch und durch.

Wolkiger Samstag. – Ich leb ihn nur fürs Haiku. – Ist das mein Leben?

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Hoffentlich nicht die ersten Vorboten von Krankheit. Das mit dem Zeitunglesen kenne ich in umgekehrter Rollenverteilung. Haikus ins Japanische zu übersetzen stelle ich mir schwierig vor.

    • Heike sagt:

      Naja, das sind schon Vorboten, fragt sich nur, wozu. Man ist verkrampft in dieser Hinsicht momentan. Und zum Japanischen. Yuko spricht erstklassig deutsch und ist ja Japanerin. Nachher wieder alles umgekehrt. Wahrscheinlich höchst anspruchsvolle Übersetzerarbeit, noch dazu mit Silbenzählen. Sie ist damit wahrscheinlich wirklich sehr viel beschäftigt.

  2. Beate sagt:

    in den letzten Wochen hatte ich auch hin und wieder einen rauen Hals, Kopfweh und tat alles dafür, mich zu erholen und mit Paracetamol, Gurgeln, ausruhen diese Anzeichen zu vertreiben. Es ist gar nicht locker zur Zeit…Zusammen Zeitung lesen, lecker Pfannkuchen essen, das klingt sehr gut. Bär und Tiger bleiben daheim und haben es gemütlich

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