2026-02-02- Grünes Zelt + 5 Elefanten, Rutschpartie + 2 Lesekreise – Engl. Katze, Rezitativ + Salonschwachsinn

Sonntag. Der Himmel hängt tief, grau; kalt. Lesen, lesen, lesen. Den Plan verworfen, „Amrum“ anzusehen, (nur noch Maxim). Zu angefüllt mit dem „russischen Sommer“ vom Vortag, Michael hat von Tolstoi geträumt. Heute MUSS-WILL-WURDE ich mit dem grünen Zelt fertig, im Russland Mitte des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt. Ich habe vor: „Klassiker“ lesen, um die es mir ursprünglich gegangen war. Zur „Erholung“ allerlei aus diesem Kulturkreis außenrum. Dann muss es auch noch andere Lektüren geben – Schwerpunkt Lesebiografien. – Nicht zu vergessen Lesezeit mit Michi und Goethe. Zwischendurch hatte ich bedauert, dass „mein Japan“ brachliegt. Bei Alexandra Tolstoi von ihres Vaters „bekannter Japanliebe“ gelesen.

Diesmal schreibe ich am Donnerstag weiter, zunächst ohne Blick in meinen Kalender. – Montag Chor. Anna, die Chorleiterin, fragt nach dem russischen Lesekreis. Meine Singnachbarin Birgit fragt, was wir da reden – hat leider meistens Enkeltag. Ihre Enkelin heißt auch Emilia. Ebenso wie die von Christina, beide werden mittwochs gehütet. Derselbe Name, unterschiedliche kleine Persönlichkeiten. Für mich gibts eigentlich nur eine Emilia. Nichtsdestotrotz musste Mittwoch sein – angepasst an die Möglichkeiten der Bibiothek. Mir wird zunehmend bewusst, dass Nachmittag RentnerInnenzeit ist, diese wiederum unglaublich ausgebucht sind. – Dienstag wunderbare Wilhelminen bei mir – lebhafte Verbundenheit. Das abendliche Klavierkonzert war das letzte, was ich im Anschluss brauchte. Whatsappend in die falsche U-Bahn gestiegen; bis ich in der richtigen saß war’s 20:00. Heimgefahren mit schlechtem Gewissen. – Mittwoch ruhiger Tag. Abends mit Susanne in Henzes „Englischer Katze“: Den hatten wir uns bei Ingeborg Bachmann vorgenommen, die für ihn zwei Libretti geschrieben hat. Sehr interessant, anstrengend auch – wunderschön im Cuvilliéstheater. Die Dirigentin noch kleiner und zierlicher als die asiatische Hauptperson mit einzigartigem Coloratursopran. (Von Kilo zu Kilo wird es schwerer, mich hübsch zu machen. Da hilft mein teurer LULUTOX-Tee auch nicht. Noch so ein Beschiss!) Am Eingang stand Sabine Träxler und wollte Karten verkaufen. Einmal redet sie stundenlang auf der Straße; einmal schreibt sie wegen Interesse am Russenprojekt, das sie auf meiner nicht existierenden Homepage gelesen haben will und reagiert dann nicht mehr. Ob sie mich diesmal überhaupt erkannt hat? A bisserl gsponnen hat sie schon immer. – Do. morgens im tiefen Neuschnee zum Bäcker gestapft. Ich zähle die Tage, bis wir mit dem Zauberberg fertigwerden. Vielleicht lässt sich Michael heimlich meinen eigenen Leseplänen einverleiben? Dennoch immer diese kostbare Stunde – wenn nur „der Humanist“ Settembrini und „der Jesuit“ Naphta keine weiteren Wortgefechte mehr austragen. – Kino, Hamnet. Ich hab einen Geschenkgutschein bekommen, muss also in nächster Zeit Kino in den Bereich meiner Überlegungen mit einbeziehen. Hatte nicht gewusst, wiesehr es um Trauer, Geburt, Tod und Transzendenz und um deren literarisch/theatrale Verarbeitung gehen würde. Hinterher mit Michael speisen gegangen – so besonders war es nicht, aber ein schöner Abend. Viel zu spät im Kino, weil die Tram ausfiel. Eine Frau war am Leonrodplatz im Wartebereich durch eine Bodenplatte gestürzt, habe ich hinterher gelesen. Bei uns ist kein Lautsprecher und keine Anzeigentafel – so ging es an der Haltestelle zu wie am Hbf.

Freitag. Schreiben an die Hausverwaltung bzgl Haustür sowie Warmwasser, das regelmäßig ausfällt. Meist 0 Reaktion. – Samstag. Konnte Renate sehr zu meiner Zufriedenheit spontan zu kleinem Rutsch-Spaziergang an der Würm zur Blutenburg gewinnen, feste untergehakt zur beiderseitigen Sicherheit – mit gemeinsamem Kaiserschmarrn im Sonnenschein. – Abends eine Neuerrungenschaft in DVD-Form angesehen: „Die Frau mit den 5 Elefanten“ (= die großen D.- Romane): Doku über das beeindruckende Leben der berühmten Dostojewski-Übersetzerin Svetlana Geier – interessant, poetisch, eigenwillig, dabei eine energische Hausfrau und Oberhaupt einer großen Familie; Mutter eines verstorbenen Sohnes. – Wieder Sonntag. „Buch trifft Bühne“ im Marstallsalon. 38 Leute, viel zu viel; eiskalt. Zwischen Lesetreff und der entsprechenden Vorstellung (Rezitativ- Toni Morrison), die zugehörige Kantine kennengelernt; leider neben so einer Salonschwachsinnigen gelandet, einer Alleswisserin „aus einer Theaterfamlie“ mit unverrückbaren, m.E. banalen Ansichten, was mir den Abend verleidete. – Jetzt auf zum Chor.

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Ich bin sehr beeindruckt, wie viel Kulturelle Veranstaltungen bei dir in eine Woche passen. Dagegen komme ich mir wie ein Kulturbanause vor. Die Vorstellung, Abends im Winter noch öffentlich in die Stadt zu fahren für Theater oder Konzert ist nicht verlockend. Ich finde dich immer sehr hübsch, das ist unabhängig von den Kilos. Soll der Tee Wunder bewirken?

    • Heike sagt:

      Ja, der Tee sollte wahre Wunder wirken – ich hätte damit schon 20 kg abnehmen sollen…. Und naja: bei mir hat all die „Kultur“ Platz, bei dir all der „Körperkult“ von Tanz, Yoga, Fitness, Wandern usw. In Brasilien, so habe ich gestern nachts in einer Doku gehört, gilt der Körper als DAS KAPITAL, und es gibt wohl kaum jemanden ab zwanzig, der daran keine OPs und Spritzungen vornimmt. Ich nehme aber an, dass es nicht vereinbar sein kann, ganz viel für einen Bereich des Lebens zu tun und den anderen dabei nicht zu vernachlässigen. Meine Mutter konnte all das zusammen, ich nicht. Trotzdem war sie kein idealer Mensch. Renate vereinbart vieles in sich – sogar Beate geht jetzt ins Studio. Ich kann es einfach nicht. Und wann solltest du oder ich noch Kultur bzw Sport unterbringen – Hinterher? Vorher? Zwischendrin? Ich jedenfalls spüre sehr strak meine Defizite. Viel Sport und wenig Kultur tut vermutlich nicht so weh wie umgekehrt…

  2. Renate sagt:

    Für mich gibt es auch nur eine Emilia. Zu Theater und Konzert jetzt auch noch Kino. Da werden die Abende zu Hause immer rarer. Das mit Sabine Träxlerr liest sich irgendwie bekannt. Was wurde denn über diesen Tee geschrieben?

    • Heike sagt:

      LULUTOX. Das kannst du googeln. Ich habe ihn sogar aus Versehen – weil „billiger“ – mehrfach bestellt. Ich schick dir ein Foto von dem, was auf der Packung steht. Und was sie schreiben – die Sorte kilometerlange Berichte, wie er das Leben verändert – alles heiße Luft.(Ich trinke ihn übrigens weiterhin fleißig – was nicht ist kann ja noch werden. Könnte nächstes Mal für alle ein Pröbchen mitbringen!) Heiße Luft wie meine Schäfchentaschen, von denen ich übrigens nach wie vor Werbung bekomme: von der handarbeitenden Helga persönlich!

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