2026-05-09-„All those who live in my chest“ – Backen trotz 16:8 – Augsburg in Arbeit – Polnischangelegenheiten
Noch Samstag. Wehen Herzens Abschied von Siggi. Ein Vakuum enstehen lassen oder gleich nach dem nächsten Buch greifen? Apfel-Rhabarber gebacken für morgen, Backrohr eingeweiht. Stinken gerade die ersten Grillfreaks draußen herum? Aufräumorgie. Waschmaschine bestellt. Ein wahrhaftig tiefgreifendes Telefonat mit Jakob.
Sonntag Spargelsuppe vorbereitet, Spülmaschine angeworfen. Jetzt streikt die – nagelneu wie sie ist! Michael kriegt sie wieder hin, allein wäre ich ausgeflippt. Der Kuchen duftet nicht, löst sich nicht vom Blech, ist dann doch was geworden. Spargelsuppe will ich mal wieder. Hinterher bewegt und erfüllt von den gemeinsamen Stunden. Ein Zauberhut ohne Boden, unerschöpflich. „All those who live in my chest.“ Ich habe den Eindruck erweckt, als ginge ich täglich mit Nussschokolade ins Bett – drastische Überspitzung – was ich sagen wollte wurde deutlich. Frage: Erleben andere reisend vielleicht das, was mir im Buch begegnet?
Montag Chor. Eine sehr „gute“ von den Neuen will neben mir sitzen, sie könne sich an mir orientieren. Ich bin geschmeichelt! Dienstag: mit IBU wollten wir einen Minispaziergang wagen, mit dem Rad zum Nymphi. Dann aber begegnet uns Petra, und nach langem Ratsch schwenken wir nur noch aufs Bankerl im Taxispark um. Wenigstens in der Gärtnerschule noch ein paar Pfänzchen fürs Grab kaufen? Pünktlich zur Mittagspause.
Allein habe ich kurzfristig Turgenjew versucht, der mich aber ermüdet, also in eine Goethe-Biografie übergewechselt. Skeptisch macht mich „Spiegelbestseller“, auch Safranski, der zu viele literarische Berühmtheiten porträtiert, dachte ich; aber der Anfang ist belebend und unterhaltsam. Der kleine Naseweiß JW soll schon als Siebenjähriger gesagt haben, er könne sich nicht mit dem zufrieden geben, was anderen genüge. Mit Michi „die Verwandelten“ angefangen, Welten zwischen Deutschland und Polen, Folgegeschichte einer im Lebensborn der Nazis Geborenen; Ulrike Draesner war mir beim „fremden Kind“ begegnet; begonnen ist es mit Tempo und Witz. – Im Kirchen-Chor werden wir immer mehr. Di Lasso verfolgt mich bis in die Nacht. Ich habe die Altstimme gesondert gesucht und gefunden. – Heute ist Michael erstmals als AOK-Patient bei seinem Arzt.
Donnerstag Augsburg. Meine Mieterin ließ ihre Wohnung im schönsten Licht erglänzen, äußerste nur Gutes trotz Befürchtung, mit der Wohnung „verkauft“ zu werden. Meine Interessenten verhielten sich sehr angenehm, ich kenne sie ja schon. Obwohl ich telefonisch den Sachverhalt mit der Sozialbindung erläutert hatte – nämlich dass auch nach Aufhebung der Bindung die Miete (sofern diese Mieterin bleibt!) nur alle drei Jahre um 20% erhöht werden darf – wird ihnen die Tragweite dessen erst jetzt klar. Sie können auch langfristig mit dieser Mieterin keinen Reibach machen, möchten sich diesbezüglich noch anwaltlich beraten lassen. Als Ingenieur/ Statiker, vertraut mit dem Objekt, da er ja bereits Lollos Dachterrassenwohnung gekauft hatte, sagt er, man könne für die Wohnung (ein „Liebhaberobjekt“) in dieser Lage die vierfache Miete erzielen. Er möchte den Kredit abbezahlt haben, wenn er in zehn Jahren in Rente geht. So bleibt das Geschäft noch offen. Falls es nichts wird bleibt es als Sozialprojekt „meine gute Tat“ im Leben. Mir gefällt, dass die beiden ihre helle Begeisterung offen zum Ausdruck bringen und den Preis nicht zu drücken versuchen. – Hinterher Lyrik-Kabinett: Marcel Beyers 60. Geburtstag; für mich zu akademisch, also langweilig, sodass ich um 15:30 ausgehungert gegangen bin. Ich hatte um 21.00 das letzte zu mir genommen. – Freitag nichts aufgeschrieben – der Tag vergessen bis auf Bettina, die ausgiebigst bei mir in der Küche aß. – Samstag wieder Kuchenbacken. Anna kommt sonntags von Venedig und übernachtet bei uns, bevor sie am Montag weiterfährt. Ich hatte Michael zu einem 3-stündigen Polnisch-Kurs überredet, geleitet von einer kompetenten, kultivierten und fröhlichen Agnieska. Michael hat etliche Lacher eingestrichen, hatte als einziger auf Anhieb ein Gefühl für die Aussprache und war der Star. Kein Mensch hätte ahnen können, wie ungern er sich auf sowas einlässt. Jetzt sind wir k.o. und alles ist vergessen.
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