Zentrifugenmensch und Bilder

ich bin eine sehr schlechte Beifahrerin. Schon im Vorfeld dachte ich mir alle möglichen Ausreden und Lügen aus, die mich davor bewahren könnten, mich in das Auto von Rainer zu setzen. Es kostete mich immens große Überwindung, aber ich kam nicht drumherum. Schließlich war die Fahrt mit ihm dann aber richtig lustig, wir unterhielten uns prächtig. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug. Kurz vor der Ausfahrt, die er hätte nehmen sollen, rief seine Galeristin an und schon landeten wir in Tschechien. Dann ging alles sehr schnell: Er erzählte den Polizisten, die uns raus winkten, dass er die Ausfahrt verpasst hatte und ein Polizeiauto eskortierte und in bayerische Gefilde zurück. In Oberfranken ist in mehreren Grenzgebieten „das Ende derWelt“- so gottverlassen ist es da! Irgendwann kam der Steinbruch und das Verwaltungsgebäude wo der Zentrifugenmensch sitzt. Er ist ja ein sehr anerkannter Direktor einer Gedenkstätte, aber er geht mir mit seinem aufgeblasenen Gewaffel gehörig auf die Nerven.  Wir hielten uns nicht lange bei ihm auf. Rainer brauchte den Schlüssel für das Gebäude, in dem seine Bilder ausgestellt sind. Und dann zeigte er mir diese gigantisch tolle Ausstellung, die auch bald nach Dresden wandern wird. Bilder aus der Luft und vom Boden aus aufgenommen, das, was aus den unheilvollen Stätten geworden ist, in denen die Opfer der Nazis durch Arbeit geschunden wurden: Banale Einkaufszentren, Brachlandschaften, verfallene architektonische Strukturen, im warmen Abendlicht oder mit einer leichten Schneeschicht überzuckert, aus der Höhe mit Dronen aufgenommen,  beeindruckende Fotokunst.

Ich kam nicht drum herum, den Zentrifugenmensch noch einmal zu sehen.Eine Dusche von besserwisserischen Statements, dann waren wir draußen. Die Heimfahrt war wieder gemütlich, lustig, ich fühlte mich wohl, obwohl ich nicht am Steuer saß. Ein schöner Ausflug. Ich erinnere mich an die Zeit vor 45 Jahren, in der wir durch die Wälder gestrichen sind und Blödsinn gemacht haben.und was für tolle Arbeiten macht er heute! ich bin sehr froh, dass wir uns wiedergefunden haben.

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Eine Antwort

  1. Heike sagt:

    Das klingt ja schön! Auch so lustig. Bei Scobel war kürzlich auch so einer, der zwar druckreif sprach, aber sich bis ins Groteske spreizte…was ist das nur? Oder der mit Frick sprach. Es muss eine Krankheit sein. Narzissmus?

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