20-06-21-CoTaBu- Jetzt ist Michael dran – Luft, Wasser und Baum sollen helfen
Fantasieloser Weise ist nochmal dergleiche Kuchen im Rohr. Aprikosenzeit, nicht x Arbeitsgänge und Schüsseln. Ich mag, wenn`s ruckzuck geht. Michael hat gestern nochmal Bündner Nusstorte gebacken. Er will das zwei Jahre nicht mehr machen. Mir rinnt der Tag durch die Finger. Morgens im Bett gelesen; zwei Eier im Glas mit Milch und Baguette zubereitet, was Besonderes – fast bis zur Ungenießbarkeit versalzen. Auf Thomas` Predigt eingestellt – schlagartig begriffen, dass Michael mit den Nerven ungefähr da ist wie vor Jahren, als er sich von Muttern und Pension in der Türkei erholen wollte und dort eine Art Blutsturz erlitt mit Notarzteinsatz. Die Aufreger um sie herum hielt ich wieder für halbwegs in Butter; er versucht, sie dreimal täglich telefonisch in Schach und in der Realität zu halten und anzuleiten: beim Auspacken der permanent frisch gepackten Taschen, bei der Beschaffung von Schmerztabletten, beim Auffüllen des Flüssigkeitspegels, wenn sie allzu wirr wirkt. Der beinah tägliche Spaziergang ging heute schief. Gestern Abend hat Michael wieder plötzlich an der Nase geblutet. Ich war geraume Zeit darüber hinweggegangen, wie tief er sich verstrickt und täglich mehrfach von ihr runterziehen und stimmungsmäßig anstecken lässt; ich empfehle sowieso, sie einfach packen zu lassen. Also Kirche und Thomas abgesagt; mit Michi in den Nymphi Urwaldbaden gegangen. Ausnahmsweise hatte ich das Gefühl, gefragt zu sein, was sonst ausschließlich umgekehrt vorkommt. Köstliche Luft geschnappt. Schildkröte zwischen Karpfen und Enten im See an Pagodenburg gesichtet; garstigem Quaken gelauscht; Auftritt majestätischen Schwans und Mann mit Springerstiefeln und wippendem Minikleidchen bewundert. – Post erledigt: Sandra geantwortet, ebenso Magdalena. Stifte und Papier gekruscht. Kuchenreste genossen.
Würdevoll tritt auf – seine Majestät, der Schwan. – Sein Parkett der See.
Ich würde die Mutter auch packen lassen. Schildkröte, Karpfen und Enten sahen wir letztens auch an dem See.
Was macht sie, wenn sie alles eingepackt hat? Vielleicht packt sie alles wieder aus.
Das wissen wir nicht. Michael kommt ja immer telefonisch zuvor. Sie stöhnt und keucht dann ins Telefon und gibt sich so, dass er sie für fix und fertig hält. Kriegt den Knoten der Tüte nicht mehr auf. Weißt nicht, wohin mit all dem. Und er darf ja nicht hin und helfen.
ich würde sie packen lassen, wer weiss, wofür das gut für sie ist.
Ja, ich sag zu Michael, viel schlimmer war doch immer für sie, nichts zu tun zu haben. So ist sie permanent zwar gestresst, aber beschäftigt.