Geburtstagswochendende

Ich bin wieder in München. Das Wochenende war lang und sehr schön. Ich hatte Bedenken, dass ich meine Schwester und ihren Mann mit meiner Einladung mehr als 600 km auf sich nehmen lasse, zumal die Sommerferien in NRW angefangen haben und sie keinen Urlaubstag nehmen konnten. Wie durch ein Wunder sind sie nicht einmal im Stau gestanden, weder hin noch zurück. Am Freitag sind wir lange zusammen gesessen, nachdem sie um 21 Uhr ankamen. Der erste Abend ist immer der intensivste und heiterste. Am Geburtstag selbst dann eine gemäßigte Wanderung im Josephstal gemacht, dann Brotzeit, auf der Terrasse ausgeruht, alle etwas müde und erschöpft vom langen Abend und der Wanderung. Die Gespräche flauen dann etwas ab. Um 18 Uhr kam Maja mit der BOB und der Abend begann mit einem Sekt immer noch bei herrlichem Wetter auf der Terrasse. Wir hatte ganze Saiblinge gekauft und im Ofen gemacht, zum Glück gegen das Grillen entschieden, da in Schliersee ab 20 Uhr ein Wahnsinnsgewitter losbrach. Dort regnet es dann immer wie aus Kübeln, deshalb ist die Natur dort viel grüner und saftiger als woanders. Dann erschien ein besonders intensiver Regenbogen, wo alle Farben deutlich zu erkennen waren und der ganze Bogen zu sehen war. Ein richtiges Naturschauspiel. Am 2. Abend kamen dann auch die schweren Themen mit meinen Eltern zu sprechen. Meine Schwester sagt, dass mein Vater die Pflege meiner Mutter höchstens noch bis Ende dieses Jahres schaffen wird, das hat er selber ihr im Vertrauen gesagt. Mir blutet das Herz, wenn ich mir vorstelle, meine Mutter müsste in ein Pflegeheim umziehen. In dem Haus ist sie schon geboren worden und hat mit einer Ausnahme von 1 Jahr ihr ganzes Leben dort gewohnt. Für meinen Vater ist das Schlimmste das Angebunden sein. Er hat einen enormen Freiheitsdrang, will eigentlich noch viele Reisen machen und Abenteuer erleben. Die beiden hatten ein sehr gute Zeit miteinander all die Jahre, aber jetzt klafft eine große Lücke und er ist genervt von seiner Situation und von ihrer Abhängigkeit. Früher war sie stark und selbstständig, heute ist sie körperlich schwer behindert, kann sich nicht mehr alleine bewegen und sitzt den ganzen Tag im Sessel, Atmung und Schlucken sind ein Problem. Meine Eltern haben heute ihren 57. Hochzeitstag. Nach 2 Tagen Besuch brauche ich wieder Zeit für mich und auch Zeit mit Hubert alleine.

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Oh Ines, auch bei dir kommen zwei Seiten zum Klingen, wenn auch nicht aus heiterem Himmel. Dieses prachtvolle Wochenende, ein so schöner Geburtstag; die Milde, in der du ganz sachlich vom „Abflauen“ schreibst und dann diese – ja – Tragodie, wie eine glückliche Ehe zur Last werden kann.

  2. Beate sagt:

    Schlierseeglück am Geburtstag mit Deiner Familie und Deiner neuen Liebe-es klingt sehr schön. Manche Elternpaare fallen wie Säulen ineinander, werden gleichzeitig hilfsbedürftig. So war es bei meinen Eltern auch nicht. Mein Vater hatte einen unglaublich starken Drang nach Reisen, Gesellschaft, Gartenarbeit, die er so liebte, während meine Mutter, abgemagert, dreißig Kilo schwer, im Bett lag und bei vollem Bewusstsein dem Verfall ihres Körpers zusah.

  3. Renate sagt:

    Wie du deinen Geburtstag beschreibst klingt fröhlich. Dann die Schwere des Elternthemas. Wie kann das gelöst werden?

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