20-07-06-Urplötzliche Erschöpfung – Stimmungsschwankungen
Ich habe mir kurzerhand für morgen und übermorgen freigenommen. Ich denke nur noch in Tabellenform, Warteliste rauf und runter. Alles dreht sich um Aufnahmen. Telefon, Telefon, Telefon. Kriege dadurch, dass wir keine Gemeinschaften bilden, ich also seit Monaten keine Andacht anbiete – was mich regelmäßig durch die Patientenzimmer geführt und innige Kontakte hervorgebracht hat – keinen Ausgleich mehr. Etwas fehlt. Vielleicht die stetige Bemühung um das Spirituelle mit einem Fixpunkt in der Woche? Es geht an die Nervensubstanz, sodass ich plötzlich nicht mehr konnte, wie mir schien. So ein Flirren unter der Haut, eine chronisch werdende Ziellosigkeit, Unkonzentriertheit; darauf konditioniert, jederzeit durchs Telefon ansprechbar, auch störbar zu sein, jederzeit bereit, gar nicht erst irgendetwas von Substanz in die Hand zu nehmen. Ein Zielpunkt wie einen Urlaub habe ich nicht. Preise einerseits die Abwesenheit von Fernweh, sehe aber ein, dass ich vielleicht doch ein Fall für einen Tapetenwechsel wäre. Gerade ein dreitägiges WE hinter mir nehme ich also zwei Tage, kaum dass ein Arbeitstag hinter mir liegt. Es sind die ersten beiden Urlaubstage in diesem Jahr. Dieses Gefühl von Unabkömmlichkeit sitzt drin, auch wenn es noch so lächerlich ist und ich es natürlich ungern zugebe. Wer findet solche Leute nicht abstoßend, die sich so gebärden? – Mit euch gestern war es so schön für mich, auch dass Beate noch kam. Mit Jakob eskalierte es noch anlässlich Corona. Heute war es schlagartig gelöster. Heute konnte er wieder lachen, hat sich die Haare rasiert und wir kamen ohne größeren Krampf zurecht. Was sich da abspielt ist uns selber ein Rätsel.
Hast du gar keinen Urlaub eingereicht? Ich spüre selber meist nicht, wenn ich urlaubsreif bin. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, ein paar Wochen auf Abstand zu gehen. Corona war und ist arbeitsmäßig sehr belastend.