20-07-09-CoTaBu-1 x Arbeiten nach Kurzurlaub – Teatime in gestärktem Hemd
Welcher Luxus. Heute mein zweiter Arbeitstag diese Woche – schon ist sie vorbei. Mein Fehlen die letzten beiden Tage habe ich lediglich daran gespürt, dass ich zu nichts von dem kam, was ich mir zwingend vorgenommen hatte und aus dem Reagieren auf aktuelle Anrufe nicht rauskam. Derzeit Aufnahmestopp, weil der Patient mit der drohenden Luftröhrenenge jetzt nachts so laut atmet, dass man das keinem Zimmernachbarn (im Nebenzimmer) mehr zumuten kann, er muss klingen wie ein wildes Tier. Er ist auch tags nicht leise, telefoniert lautstark geschäftlich und als heute abends seine Freude kamen, war ihr Gespräch am Brunnen im Hof so rücksichtslos laut, dass ich mit meinen „teatimern“, dem literarischen Zirkel, ins kleine Wohnzimmer ausgewichen bin. Novum: ein Mann dabei. Es ging – wie sage ich – trotzdem. Ich war hinterher beschwingt und zufrieden. Gelesen aus: „Die letzten Tage meines Vaters“ von Issa; ein Gedicht der Freundin einer Teilnehmerin, deren Fan sie ist; Mascha Kaleko, z.B. „Mein Lied geht weiter“, „Grundlos vergnügt“; Gedichte von Paul Klee. Der Herr zitierte lieber frei. Er kam in blütenweißem, gestärktem Hemd und Anzug. Das sei er seiner Frau schuldig: nur nie sich gehen lassen. – Bin danach ohne Anhang zur Meditation raufgegangen. Der Konflikt zwischen Bettinas Bedürfnissen und meinem Verständnis ist noch nicht auflösbar. Sie hängt an der familiären Atmosphäre, in der man den Hosenknopf aufmachen kann, wenn nötig. Das wiederum leuchtet mir ein. – Ich komme soeben leicht angesäuselt vom Wein in Michaels Garten. Es war lau und lieblich bis die Mücken mich kurz und klein stachen. Jakob zum Abendessen gesehen, der jetzt unterwegs ist.
Vor hohem Grasgrün – Baum und Himmelblau – ein Mann: – blütenweiß gestärkt.
Ein ereignisreicher Tag. Die 2-Tage-Woche würde mir auch gefallen.