20-07-28-CoTaBu-Hospiz- und Badetag und ein Schwerhöriger für Zimmer 5

Mitternacht. Nach Hospiz heimgeradelt, unterwegs mit Michael einen Aufwachkaffee im Garten eingenommen. Ließ mich dann von ihm abholen zum See. Nach 19:00 hatten wir keine Lust mehr auf Parkgebühr, sind solang rumgegondelt, bis wir gratis auf den Parkplatz durften; mussten sowieso die Seeseite wechseln, weil auf der Sonnenseite noch die Hölle los war. Aus Sicht der Schattenseite flossen die Lichtreflexe des Wassers zauberhaft durch die Bäume am anderen Ufer, wie wir das noch nie gesehen haben. Weit geschwommen, bis Schlingpflanzen inmitten des Sees zunehmend nach meinen Beinen gegriffen haben. Danach zum Kroaten zu Fleischberg mit Pommes und Reis eingekehrt, es lebe die Figur. – Sagenhafte Erfolgsmeldung von Gregors Patensohn! – Zuletzt in berührender Rosa–von-Praunheim-Produktion „Überleben in Neuköln“ gelandet. – Heute durfte ich mal wieder ein richtig GUTER MENSCH sein, auch wenn Michael manchmal sagt: „Du bist nicht Mutter Theresa“. Nicht ganz, aber manchmal ein bisschen. Einem Sohn in Not, der den Vater nicht über die Palli leiten kann, weil der genau von dort „in gutem Zustand“, nach Ermessen der Familie in katastrophalem, nach Haus entlassen war, der schon SAPV hat, sagen müssen, es wird dauern, ich weiß keinen Rat, alles war gerade vergeben. Ich sagte, wir haben einen Platz, aber der ist nicht ruhig, der Patient nebenan ist richtig laut, wir müssen freihalten, es sei denn, jemand wäre schwerhörig. „Das ist mein Vater“, sagt der Junge. So klappt es auf Anhieb, ungeachtet des letzten Platzes auf der langen Warteliste. – Und: Herr R., den wir im April verlegen mussten, ist in die ewigen Jagdgründe eingegangen, mailte mir seine Frau. Die Kürze der Zeilen ließ mich ihre Trauer, aber auch einen Vorwurf herausspüren.

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2 Antworten

  1. Renate sagt:

    Schlingpflanzen, die die Füße berühren, mitten im See. Seltsam.
    Toll mit der Belegung von Zimmer Nr. 5. Da ist Schwerhörigkeit fast Glück.
    Das Herr R. verlegt wurde und nach ca. 3 Monaten verstarb und der versteckte Vorwurf der Frau,
    erinnert an die Entlassung des Mannes der ehemaligen Hospizhelferin E.

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