Geister und Langeweile

Die Wärme hängt noch immer in den Wänden, alles was zu öffnen ist, ist offen. Ich sitze auf dem Balkon, die Luft ist angenehm kühl. Heute eine Nachbarin getroffen und ein langes Gespräch mit ihr geführt. Wir redeten unter anderem über Rosacea und sie schwärmte von einer Diät nach Anthony William. In der früh 1/2 Zitrone auf ebenso viel Liter Wasser trinken, danach ein Schnapsglas Selleriesaft, kein Fleisch, viel gedünstetes Gemüse, Abends noch einmal Zitronenwasser. Neun Tage lang. Ich habe über Anthony Wiiliam gelesen, dass ihm schon mit 4 Jahren die Gabe zufiel, ein Medizinisches Medium zu sein,  die Stimme, die sich Geist des Allerhöchsten nannte, sprach zu ihm.  Es gibt sicher viele Dinge, die unerklärlich sind, für mich kommen Sellerie- und Zitronensaft nicht in Frage. Die Nachbarin, die ein Fotostudio hat und nächstes Jahr 65 wird,  fragte mich, ob mir in der Rente nicht langweilig ist. Komischerweise werde ich das immer wieder gefragt und wenn ich dann sage, was wäre so schlimm wenn mir langweilig wäre? Dann kommt meistens ihnen fällt sicher was ein, oder sie haben ja Enkel, oder du warst ja schon immer sehr aktiv. Niemand will hören, dass auch Langeweile sein darf. Mir scheint es ist die eigene Angst vor Langeweile. Langeweile ist wie ein Makel, bloß nicht zeigen. Ich war viele Jahre getrieben und habe schließlich gelernt mich mit meiner Langeweile anzufreunden. Was ich feststelle ist, wenn ich so hochtourig laufe wie die Tage mit Emilia, dass es eine geraume Zeit braucht, wieder in meinen geruhsamen Alltag zu finden.

 

 

 

 

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Deine Betrachtung zur Langeweile ist hochinteressant und sehr wahr. Etwas „aus Langeweile, „aus purer Langeweile“ zu tun ist verpönt. Tatsächlich schätzt „man“ es nicht, wenn jemand im Verdacht steht, aus Langeweile auf einen zurück zu greifen. Was ich seit 20 Jahren erzähle: ein Kind klagte: Mama, mir ist langweilig und die Mama antwortete: Genieß es.

  2. Ines sagt:

    Ja, Langeweile hat für viele etwas Negatives, das man abschaffen muss. Sie so positiv zu bewerten wie du es tust, find ich gut. Dann eröffnen sich gleich neue Räume.

  3. Beate sagt:

    Langeweile beschreibst du in einem für mich neuen Licht. Ich erlebe Langeweile eher als etwas Schweres, das mich runterzieht.

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