20-08-13-Letzter Tag ein Marathon – vollkommen überanstrengt über die Ziellinie gestrauchelt

Heute durch Sonja erfahren: Ingrid mietet sich wieder auf dem Land ein, um sich nächtens einen Stuhl aufs offene Feld zu stellen zum Sternschnuppengucken. Ich hab das Michael erzählt – er wusste davon. Auf allen Sendern Sternenhimmel. Warum sagt er mir das nicht? Weiß er nicht, dass ich kein Radio höre? Bestimmt verschlafe ich trotzdem. Ihr Schlaflosen aber nutzt die Gelegenheit! – Sonja ist mit meiner Übergabe noch nicht routiniert, obwohl ich mögliche Aufnahmen vorgeschrieben und Listen angefertigt habe, wie es werden könnte. Aufnahmen bis Montag ohnehin. Sonja und Gregor sind diesbezüglich noch nicht eingespielt. Gregor lacht mich aus, wenn ich tue, als würde ich einen Kindergarten allein lassen. Heute noch Gespräch mit dem „Pastor“ der afrikanischen Gemeinde des Patienten, dessen Frau ich vorgestern hatte. Er wird sein Schäfchen nicht bestatten dürfen. Wir wollen keinen kaukasischen Kreidekreis daraus machen, habe ich auch ihm gesagt. Es ist jetzt alles versucht. – Gespräch mit einer Patientin, die nicht mehr kann, nichts mehr will und leider an Dr. Völkl mit all den tollen onkologischen Ideen geraten ist. Angeblich habe er ihr gesagt, sie sei zu jung, um kampflos zu sterben und das Wort „Todessehnsucht“ in sie eingepflanzt, was ich (und sie) ungeheuerlich finde. Sie verlangt nicht depressiv „Sterbehilfe“, sondern hat ein Schicksal aufgetischt bekommen. Langes Gespräch, dann nochmal zu ihr gerufen worden, jetzt an Gregor weitergegeben. Entweder sie schafft es selber, wehrhaft zu sein (Angst, Dr. Völkl gegenüber undankbar zu erscheinen) oder ein Arztwechsel wäre angedacht. – Unglaublich geschuftet heute, mein Herz tut fast ein wenig weh. Sommerbrief an die Ehrenamtler fertig gemacht. Sogar noch Tisch aufgeräumt! Jetzt heilfroh über die Aussicht auf drei Wochen und drei Tage. Statt zu schwimmen heute früh kam ich pünktlich zum Abschied unserer Patientin, bevor sie ins Taxi nach Hause stieg. Zwei schöne Fotos sind entstanden.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

2 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Ich kann es mir gut vorstellen wie dein letzter Tag war.

    Klingt nach sehr anstrengenden, herausfordernden Tagen.

  2. Ines sagt:

    Da bekomme ich fast auch Herzrasen beim Lesen. Guten Einstieg in die freie Zeit ob mit oder ohne Sternschnuppen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert