20-08-20-CoTaBu-Zum Herumhängen nicht erzogen! – Poesietherapeutisches Pflichtprogramm – ein Coronafall
Es ist mehr als Faulsein, ein Zustand vollkommener Nutzlosigkeit. Das ist nicht zulässig! Gestern (im Gegensatz zu heute) nichtmal geschwommen, weil Michael Handwerker hatte und ich mich nicht alleine aufgerafft habe. Ohne jegliches Ereignis herumgehangen. Bisher könnte ich meinen Urlaub vorwiegend als Speisenfolge darstellen. Oder ist es der Rede wert, dass ich für mein Poesietherapiemodul drei der (Dank euch!) verfassten Texte am PC abgeschrieben habe? Mir fehlen noch ein paar dieser Übungen, gegen die ich aber Widerstand hege. Auch ihr wart abgeneigt gegen Einstreuung eines unpassenden Wortes oder Auftreten einer ebensolchen Gestalt, das in keiner Weise zum Inhalt passt: „Märchensprengung“; die Märchenlotterie (hatten wir schonmal gemacht) oder ein „Propp`sches Märchen“. Ob ich mich dazu ganz alleine aufraffen werde? Beate hatte den Widerstand mit der „Würde der Märchen“ begründet, dem haben wir (Renate und ich) uns angeschlossen. Unseren Austausch habe ich teilweise in Fußnoten verpackt! Renate gestern nochmal gefragt, was bei ihr „Es war einmal…“ ausgelöst hatte (die ganz große Liebesgeschichte!); von Beate wusste ich noch, dass bei der ersten Aufwärmübung schon ein veritables Märchen herausgekommen war. – Gestern hauptsächlich geschlummert; die Gottfried Keller Novelle „Die missbrauchten Liebesbriefe“ zu Ende gelesen; Kopfweh gehabt; eine Sendung über Organtransplantation auf 3-SAT gesehen, die meine festgefügte Meinung bewegt hat. Der Umgang in der Schweiz ist fortschrittlich; das Spirituelle wird thematisiert; die Operationen voller Wertschätzung; der hirntote Patient wird wie ein Mensch mit Seele behandelt, die Organe liebevoll wie neugeborene Kinder – so schien mir – begrüßt! Ganz anders, als ich das auch schon andernorts gehört habe, wo von „Ausweiden“ und Schlangestehen je nach Hierarchie der wichtigsten, sehr wichtigen und weniger wichtigen Fachrichtungen und der zugeordneten Organe die Rede war. – Erstmals ein Fall von Corona in meine Umgebung gerückt. Es hat etwas von Stillschweigen, Geheimnis und Tabu, wie früher die Tuberkulose oder HIV.
Was für harte Worte. Nutzlosigkeit! Es muss doch nicht immer ein Ergbnis erzielt werden.
der respektvolle Umgang mit Organen – diese Perspektive ist mir neu! Ich habe noch die Beschreibungen von Amelia, die als Krankenschwester im Rechts der Isar arbeitete und eine Zeit lang auf der Station, wo die Körper derer lagen, die für Organtransplantationen versorgt werden, eingeteilt war. Das klang sehr gruselig, nach „Ausweiden“. Ich will mich fortan auch offener dem Thema widmen
Ja, zu sagen ich bin Corona positiv hat schon was schambesetztes, vielleicht sogar was aussätziges. Umgekehrt war ich erlöst, als ich mein Negativ-Testergebnis bekam. Das mit den Organen, die wie Neugeborene begrüßt werden, könnte meine Meinung dazu auch noch mal verändern. Du fühlst dich nutzlos, hast aber doch so viel mitzuteilen. Ich wünschte, du könntest das Nichts-tun mehr genießen. Ich selber kann es aber auch nicht gut.