20-08-28-CoTaBu- Gefängnis mit Freigang – Abendmahl bei Prasselregen
Heute hatten wir Anni zu Nudeln mit Pfifferlingen und Zwetschgendatschi im Garten. Kaum saßen wir unter der Markise prasselte der Regen los. Da wir auf Abstand und Luftregeln dressiert sind, hielten wir durch, auch wenn ein Wasserstrahl durch die Gelenke der Markise direkt in meinen Rücken schoss und es überhaupt recht sprühte. Also rutschen. Solches Beisammensein ist jetzt Seltenheit. Anni ist in diesem halben Jahr verfallen, in dem Michael ihren Lebensraum nicht mehr betreten darf. Er lotst sie mit drei Anrufen täglich durch den Tag, versucht, sie zu regelmäßigen Spaziergängen rauszuholen, wozu sie immer weniger Lust und Auftrieb hat, zumal sie in der Zeit des Eingesperrtseins den Weg zur Pforte verlernt hat und gebracht werden muss. Auch entstehen durch diese absurden Vorschriften derartige Umstände, das Michael gedrängt wurde, Pflegegrad zu beantragen. Mit Grad 3 zahlt sie jetzt 1000€ mehr. Das Nächste: wolle sich Michael nicht langsam mit dem Gedanken befassen, sie in die Pflegeabteilung umzusiedeln, „solang sie sich noch daran gewöhnt“. Genau diese Befürchtung wurde anfangs angesprochen. Das werde nie passieren. Das alles wäre unnötig, wenn Michael kleine Eingriffe, wie seit Jahr und Tag, selber vornehmen könnte. Schlüssel suchen; Fernseher einstellen; Wäsche; Obst; letzteres schleust er heimlich ein, es ist verboten. Auch vor dem Haus kann man sich nicht auf den Bänken treffen. In die Mitte wurde eine Art Rutschbahn als Barrikade montiert. So mag man nicht sitzen. Wenn Anni müde ist oder Rückenschmerzen hat, was dann?! Laufen oder im Gefängnis bleiben. Sie kann noch alles selber, nur die Orientierung ist dahin. Man müsste sie im Zimmer abholen dürfen. Michael hat soviele Umstände mit alledem – tatsächlich nur durch Coronaregeln verursacht – dass wir uns fragen, ob es nicht doch einfacher wäre, Anni rauszuholen. – Auf dem Weg zum See Überich und Unbewusstes besprochen, dazu morgen mehr.
Ihr seid nicht wirklich zum See gefahren?! Das ist so ein Drama mit den Coronaregeln im Seniorenheim. Aber Anni da heraus zu holen ist doch auch keine wirkliche Alternative. Erinnere dich bitte daran, wie belastend es war, als sie noch bei Michael gewohnt hat. Auch wenn sie sich selbst noch versorgen kann, braucht sie doch ständige Betreuung, zumindest hab ich das so heraus gehört.
Ich fürchte, du siehst das ganz realistisch. Nur so ist es wie eine zusätzliche Belastung durch Unvernunft und bis ins Absurde gesteigertes Regelwerk! – Wir waren morgens am See!!!
von Anni zu lesen, da wird mir das Herz schwer. So viel Einsamkeit, Regeln, die ihr Leben noch schwerer machen. Ob das die Lösung ist, sie zu Michael zu holen? Gibt es nicht eine Möglichkeit „dazwischen“. Feste Zeiten in denen Anni von Michael geholt werden kann und halbe Tage oder Nachmittage mit Abendessen bei ihm verbringt? Mein Vater war in den letzten Monaten in einer vergleichbaren Verfassung, ich bin sehr oft bei ihm in Penzberg gewesen, er hat meine Nähe auch gebraucht. Aber immer für den alten Menschen da sein? Aufpassen, versorgen, betreuen- das ist echt keine gute Lösung