20-09-04-CoTaBu- Ausgeruhtsein mit Depotwirkung? Das wär` schön!

Heute früh beim Aufwachen durchströmte mich ein ausgeprägt wohliges Gefühl von Ausgeruhtsein. Ich lag ganz und gar entspannt und zufrieden; griff nicht gleich zum Buch, da ich irgendwie sattgelesen bin. Keineswegs übersättigt, aber doch ist etwas in mir gestillt. Das habe ich ein paar Minuten lang genossen. Dann doch ein bisschen gelesen? Ich habe mir einen Roman des Zeichners Alfred Kubin (1877-1959) vorgenommen: „Die andere Seite“. Das ist noch von Peter; der Titel begegnete mir im Zusammenhang mit den Surrealisten; ich suchte und fand es vollkommen vergilbt bei den bereitgelegten Büchern zum Weggeben. Jetzt kommt es wie gerufen. – Dann private Post erledigt, Hausverwaltung Augsburg. Von Gregor telefonisch auf Montag eingestimmt. Dann mit Michael Anni abgeholt. Michael, ziemlich depressiv, sie stumm und verloschen im Park, so öde und niederdrückend! Wir haben sie dann mit zu Giovanni genommen, wir Mittagsmenü, sie Eis, wo sie über den ewig gleichen Geschichten auftaute, die wir nicht nur in und auswendig kennen, sondern die sie auch in dieser Situation bis zu fünfmal wiederholte. Immer die gleiche Geste, die gleichen Worte, das gleiche Lachen an der gleichen Stelle. Auf dem Heimweg sagt sie, na, dann werde sie wohl noch bis morgen bleiben und dann abfahren. – Danach gerieten Michael und ich heftig aneinander. Ich saugte lustlos bei ihm, insgeheim Lob heischend; Michael ist das egal, ob ich es tue oder nicht, während ich mir dabei heroisch vorkomme; er aber fühlt sich kritisiert, wenn ich ihn auf Schmutz hinweise. Überhaupt haben wir ein Riesenproblem, wenn ich ihn auf Nachlässigkeiten hinweise. Beinahe hätte es richtig gekracht. Wir konnten es dann doch noch gut besprechen. Heute bekam Michael ein Antidepressivum verschrieben. Als wir die kilometerlange Liste schrecklichster möglicher Nebenwirkungen durchgingen sind wir vorerst doch zurückgeschreckt.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Sattgelesen, welch herrlicher Ausdruck. In gewisser Weise ist Anni frei von Konventionen, isst Eis, wenn andere Mittag essen und redet immer dasselbe ohne sich dessen bewusst zu sein. Dass du bei Michael saugst, wenn gleichzeitig deine Wohnung es nötig hätte, find ich auch heroisch.

  2. Renate sagt:

    Sattgelesen! Kenne ich von dir.

    Anni und Hilde erzählen immer die gleichen Geschichten.

  3. Beate sagt:

    Anni weilt doch schon seit Langem stets in der Vergangenheit, ihre Geschichte ist längst der wichtigste Bestandteil im Jetzt. Ich befürchte, das kommt im Alter auf viele Menschen zu.

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