Kopfweh und Urmila
Heute habe ich Kopfweh und fühl mich etwas matschig. Das viele in den Computer schauen (in meiner Arbeit) ist dafür nicht gut. Ich glaube nicht, dass ich krank werde, vielleicht ist es der ständige Wetterwechsel. Was heute schön war: Meine engste Tür an Tür Kollegin ist heute den ersten Tag aus dem Urlaub wieder da. Wir hatten eine gemeinsame Mittagspause mit einem andern Kollegen und es fühlte sich heiter und leicht an, ein bisschen so wie vor der Coronazeit. Das wollen wir unbedingt beibehalten. Die letzten Wochen oder gar Monate habe ich meist alleine vor meinem Computer die Mittagspause gemacht, weil es uns nicht erlaubt war, in die Cafeteria zu gehen. Dadurch fehlten mir die Gespräche, die über die Patientenarbeit hinausgehen. Gestern war meine Ex-Schwiegermutter aus Dachau zu Besuch. Ich hatte Kaffee und Zwetschendatschi vorbereitet und sie vom Stachus abgeholt, weil sie nicht U-Bahn fahren wollte. Zur Verstärkung kam auch Maja dazu. Wie ich befürchtet hatte, kam kein gutes Gespräch zustande. Urmila war schon immer sehr anstrengend, aber im Alter hat es deutlich zugenommen, insbesondere ihre Unfähigkeit einen Gedanken zu Ende zu denken oder einen fertigen Satz zu reden. Sie verliert in einem Satz grundsätzlich den roten Faden, kommt von einem zum anderen, vermischt die Fakten mit ihren Gefühlen und Unterstellungen. Maja und ich haben uns wirklich bemüht, aber am Ende war es unbefriedigend. Hubert versteht gar nicht, warum ich mich noch so um sie kümmere. Da sie so verkorkst ist, hat sie kaum Kontakte und mit ihrem einzigen Sohn Sören ist sie extrem verkracht, deshalb fühle ich mich als so eine Art Familienangehörige verpflichtet, ein wenig in Kontakt zu bleiben. Maja und Jaron haben auch keine Lust, sich mit ihr zu treffen. Für mich ist Urmila immer auch ein Negativbeispiel für Menschen, denen die soziale Kontrolle abhanden gekommen ist. Früher hat sie durch ihr attraktives Aussehen und ihre charmante Art die Menschen, insbesondere die Männer für sich begeistert, hatte durch die Zeit bei Bhagwan den Anspruch auf ein „spirituelles, sexuell freies Leben“. Das hat sie aber nicht wirklich zu einem besseren Menschen gemacht, hat eher ihren Narzissmus noch verstärkt. Jetzt ist auch die ganze Jugend und Schönheit dahin und keiner lässt sich mehr bezierzen von ihr.
Welches Schreckensbeispiel…ich hoffe, mich nicht in deiner Ex-Schwiegermutter wieder-erkennen zu müssen, sehe aber Parallelen und fühle mich auch amüsiert. Dass sie Fakten nicht von Unterstellungen unterscheidet ist eine witzig-übersachliche Charakterisierung deinerseits! – Bei Tür-an-Tür fällt mir eine Exkollegin ein, deren verkommenes Büro du irgendwann übernommen hattest, dessen Zustand von einer vermutlich langjährigen Depression gezeugt haben könnte. Ich finde übrigens gut, dass ihr die anstrengende alte Schabracke trefft, denn sie ist – wenn auch nervig – immerhin die Oma.
Meine Güte, ist das die Urmilla, die ich vor vielen Jahren in einem Kurs in Umbrien kennengelernt habe. Sie schien mir damals attraktiv, interessant und auch sehr ich-bezogen zu sein. Eine Künstlerin, dass sie einen Sohn hat, konnte ich mir nicht vorstellen. Sie war wie die (einsame) Herrscherin im Tarot. Bilder im Kopf….