20-09-22-CoTaBu- Sterben ohne Unterlass und keine Kraft-Quelle
Auch wenn der Natur ein anständiger Guss zu gönnen wäre habe ich es bisher doch sehr genossen, täglich sorglos zu radeln, ein Stück Frischluft und „Normalität“. Letzte Woche hatte ich mit Herrn Diemer, euch per Blog, und Cornelia, die jahrelang meine Andacht unterstützt und mir PatientInnen hochgebracht hat in die Kapelle (ein Riesenaufwand!) über eine Wiederaufnahme dieses spirituellen Teiles meiner Woche gesprochen. Jetzt drohen neuerliche Regelverschärfungen. Zudem haben wir ein Sterben nie dagewesenen Ausmaßes im Hospiz. Obwohl täglich Aufnahmen sind bzw. geplant sind kommen wir nicht hinterher. Die Patientin von gestern heute schon verstorben – Ines, du weißt es; dazu noch eine andere. Der Patient, der heute kommen sollte, abgesagt, weil sterbend. So ist nicht nur ein ganzes Stockwerk verwaist, sondern es sind jetzt noch drei Patienten im Haus. Gespenstisch. Was kein Mensch je erfassen wird: wie sich Seelen verbinden. Auch in der Palliativstation soll es wie „ausgestorben“ sein. Synchronbewegungen. Wir kennen das zu Ostern. Drei Menschen bei permanentem Aufnahmefluss, das hatten wir noch nie und es zwingt mich zu einem Fokus, der mir schadet. Ein neuer Pfleger fragte mich heute ratlos, ob wir eigentlich Supervision hätten, um damit umzugehen. Er käme nach zwei Tagen wieder und es fehlten soviele! Haben wir natürlich. Aber dieses Geschehen durchdringt alles und wird von Supervision nach meiner Erfahrung nicht berührt. Es ist ein Mysterium jenseits von Worten, jenseits bewusster Vorgänge, die man reflektieren könnte. Heute wurde ein sehr lieber Ehrenamtler operiert. Ich wollte so gern gute Seelengaben schicken und wusste nicht, woher ich sie nehmen sollte.
gestern bei meiner Behandlung spricht die Therapeutin über das Sterben, heute spricht meine wunderbare Logopädin auch darüber, anderes. Barbara ist heute zum Baum gefahren, wo Elmar begraben liegt, im Urwald an der tschechischen Grenze. Und dann lese ich, was Du in den Blog schreibst. So groß, zu groß, um es zu begreifen, wenn so viele gehen.
Wie ein Sog zieht es einen Patienten nach dem anderen ins Jenseits. Es ist, wie Heike schreibt,
ein Mysterium.
Schwere Zeiten sind das.