20-10-06-CoTaBu-Juden und Worte-Sprachverstümmelung
Heute bin ich auch müde, aber kein Vergleich zu gestern. Trotzdem reicht es nicht mehr zu viel. Bestellung bei Booklooker: Juden und Worte. Die Käuferin fragt über die genaue Beschreibung des Zustandes „leichte Gebrauchsspuren, allerdings minimaler Wasserschaden“ hinaus: wo, wie genau? Ich schreibe, wenn sie unsicher ist, soll sie lieber Abstand nehmen, ich nehme es dann raus. Fast nagelneu (22,00€) und jetzt ein Hin und Her wegen ein paar Euro. Jetzt hat sie bestätigt. Ich will das Buch am liebsten nochmal durchlesen über Nacht. – Heute Supervision mit einer einzigen Kollegin; zu Coronahochzeit haben wir uns nur so gedrängt, so groß war die Not. Jetzt ist es wie so oft. Die Zeit passt nicht; zu spät; anderes wichtiger; ich würde es eher verbindlich gestalten mit regelrechter Anmeldung. Gregor will es unverbindlich, so kann es passieren, dass gar keiner kommt. Mir hat es trotzdem was gebracht und ich bin froh, dort gewesen zu sein, trotz Unlösbarem. Thema Maske mal ganz anders. – Abends Spinatpfannkuchen gegessen; „Hart aber Fair“ von gestern angesehen: „Was darf man noch sagen?“, also nicht nur gender“sensible“ Sprachverunstaltungen, sondern alle möglichen Unmöglichkeiten, haarsträubend. Auch das Gomringer-Gedicht an der Alice-Salomon-Hochschule wurde herangezogen, eine Schande für die Kultur; soviel selbst- oder ideologisch verordnete Zensur gab es zu meinen Lebzeiten noch nie. Das hat mit Sprache nichts mehr zu tun. Ein Kindergarten, in dem verboten war zu sagen: „Ich möchte meinen Sohn abholen.“ Dort heißt das „mein Kind mit Penis“. Danach noch eine Sendung über unseren schillernden, glühenden Wies´npfarrer Schießler. Jetzt kommt mein verkauftes Buch dran.
Wir sprachen heute über das Kind mit Penis. Ist das nicht unmöglich. Tochter geht dann auch nicht mehr. Wer kommt auf so blöde Ideen.
Das mit dem Kind mit Penis hab ich auch kopfschüttelnd bei Plasberg angeschaut. Das freie und spontane Sprechen erscheint mir kaum noch möglich, wenn man auf so viel sensibel achten muss. Andererseits: Eine jetzt 80-jährige sagte einmal zu mir auf die Frage, was sie für einen Beruf hat, „Ich bin Bankkaufmann“. Sprache muss sich auch mit uns verändern.