20-10-12-CoTaBu-Montag, Ansprüche und Augsburg

Als ich heute ins Hospiz kam, wieder nur noch vier PatientInnen da waren und Kerzen brannten, spürte ich Druck, sofort Gespräche führen zu müssen; als wieder all das Dringliche nicht dringend war, Not ja, aber längst nicht zur Hospizaufnahme gereift, wurde ich mutlos, als könnte ich machen, was ich wollte – das Haus würde einfach nicht mehr voll werden; ich fühlte wie Sisyphus, als könnte ich ebensogut die Hände in den Schoß legen. Dann lullte mich die Ehefrau eines Patienten ein; zermürbte mich mit ihrem osteuropäischen Jammersingsang und ihrem Beharren, 24 Stunden dasein zu wollen; dieses Versichertseinwollen, ob wir garantierten, dass sich die Türen nicht wieder schlössen, diese Ignoranz gegenüber Corona und was es uns auferlegt. (80 Min. Gespräch incl. Telefonaten mit Großhadern, Gregor; Praxis Dr. Spann wegen Abstrich für sie). Für die Nichthospizlerinnen: Zu solcher Haltung gehört regelhaft, dass häusliche Versorgung ausgeschlossen wird. Man will alles, aber nicht bei sich. Das Hospiz kostet nichts und bietet alles. Ich fragte, was sie erwarte, erhoffe: sie listete ihren Anspruch mit den Worten auf: er bekommt… Über „ich will“ hinaus ist solchen Leuten schlicht alles egal. In mir regt sich im Hinterstübchen Ärger angesichts dessen, dass Michael seit März das Marienstift nicht betreten darf. Ich beinhaltet: Frau, Bruder, drei Kinder, die Priesterin. – Das wurde aufgelockert durch aufheiterndes Telefonat mit „bayrischen Perser“, wie er sich vorstellte; sie seien drei Brüder Fashid, Hashid und Mashid (o.ä.). Der Vater habe es sich leicht gemacht und sei tot umgefallen, jetzt sollten sie zu dritt das Los der Mutter richten. Ich wüsste doch: Viele Köche verdürben den Brei. – Spätnachmittags mit Dr. Reilich im schnittigen BMW (Gott, so tief und eng!) nach Augsburg gefahren. Ein neuer Hausverwalter muss bestellt werden.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Oh Mann, da brauchst du Nerven und Geduld. Lustige Vorstellung, du im schnittigen Sportwagen. Wenn man das hoch sitzen gewöhnt ist, kommt einem so ein Sportwagen schon sehr niedrig und eng vor. Das kenne ich auch gut.

  2. Renate sagt:

    4 Patienten! Und wieder bist du sehr gefordert. Nicht einfach trotz seitenlanger Wartelisten.
    Aussteigen aus einem Sportwagen ist eine Herausforderung anderer Art. 😂

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