20-11-02-CoTaBu-Rotwein, Mondlaterne + C-Dauerstress
Als ich heute spät aus dem Hospiz kam hing über Christkönig eine herrliche Mondlaterne, die über dem Kanal mitwanderte, als ich auf dem Fahrrad heimwärts glitt – angenehm wie selten. Abends einen Rotwein vom um 24 Jahre jüngeren Lebensgefährten meines Lieblingspatienten bekommen, mit dem ich monatelang inniglichen Vorkontakt pflegte. Der ist erst seit letztem Mittwoch da und liegt schon im Sterben. Im Kommen sagte er, wie sehr er hoffe, dass es nicht mehr so lang dauere und dass er nur noch Ruhe ersehne. Einer der ganz Großen, die auf ihr Leben mit nichts als Einverständnis und Dankbarkeit zurückschauen. Diese Flasche Wein „aus der 1. Klasse im Flugzeug“ sollte mir ausgehändigt werden. Wenn er den letzten Atem ausgehaucht hat, werde ich auf ihn anstoßen. Sein Liebster saß bei mir mit seinen langen Haaren, seinem Stinkehund Bosco, einer Hose, die gleichzeitig Röckchen ist. Wir sind „ganz speziell“, seit die beiden im Sommer mit mir am Brunnen saßen. – Das Coronagerede dagegen wirkt wie kontinuierlich infundiertes Nervengift. Bei Therapie, Meditation oder Gebet bauen wir auf die Kraft von Worten und Gedanken. Jetzt plappert es auf uns ein und macht uns krank. Wenigstens wird die Wahl irgendwann enden. Auch ich habe Zamperoni und Plasberg geguckt. Anschlag in Wien?
Ein großer Kontrast, deine Erfahrung mit dem Patienten, seinem Liebsten und Bosco im Unterschied zu den täglichen Themen.
Ich sehe die beiden Männer noch genau vor mir. Im Oktober sprachen wir über sie und jetzt ist der Patient also bei euch.