20-11-05-CoTaBu-Einer für alle? Gottgegenwart im Hospiz

Druck auf Kehle von Weltgeschehen, Leid und vielem Sprechen; erst um 20:00 heimgekommen. Die Woche überlanger, berührender Sitzungen. Ein Sohn, 29 Jahre wie Jakob  – mit seiner Mutter, die seit 1,5 Jahren bei ihm in Berlin ist wegen ihres Hirntumors. Im Gangbild, bei der Unfähigkeit, sich ohne Anleitung hinzusetzen oder aufzustehen und in der Sprachstörung zeigen sich Symptome, die man nicht auf Anhieb sieht. Sie verliert sich sprachlich, erinnert nicht den Namen des eigenen Sohnes. Kortisongesicht. Er trägt alles allein. Ob er der einzige ist? Er hatte einen älteren Bruder. Um zu den wirklich wichtigen Dingen zu kommen muss zuerst eine Basis an Konkretem und allen Eventualitäten besprochen werden. Erst als der Sohn Gott erwähnt, wage ich „meine Frage“. Beide seien Muslime, was sie ungern sagen in dieser Zeit; ob mir Sufismus ein Begriff sei? Das Tor des Vertrauens geht weit auf. Ohne Religion, Gebet, Gott und die Gemeinschaft hätte er es niemals geschafft bis hierher, sagt er. – Beim letzten Termin Ehemann und Schwester einer 32-jährigen Bulgarin, die morgen – ebenfalls mit Glioblastom – kommen wird. Langes, intensives Gespräch, auch zum Umgang mit der 5-jährigen Tochter, mit den Fragen, den allpräsenten „Ratschlägen“. Auch hier legt sich der Schalter um bei meiner Frage, ob es für sie einen Gott gibt. Danach alles leichter. Wie willst du auch mit einem Kind über den Tod sprechen, wenn du keinen Gott kennst? – Auch Trump hat einen. Seine Beterin brüllt ihre Formeln wie eine Besessene.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Was für eine schwere und wichtige Arbeit du hast. Erst durch dich wird mir bewusst, wie viele junge totkranke Menschen es gibt.
    Die Beterin von Trump war so grausig anzuschauen.

  2. Beate sagt:

    mit. 29 Jahren mit einem Hirntumor leben. Ich teilte drei Jahre lang mit einer jüngeren Frau in meiner Arbeit ein Zimmer. Sie starb an einem Hirntumor, ich habe viel von ihrer Krankheit mitbekommen, den Anfang sehr nah, auch habe ich sie einige Male besucht. Ich denke heute noch öfter an sie. Sie hatte auch diese Schwierigkeiten, die du beschreibst.

  3. Renate sagt:

    Wie sensibel du reagiert hast, als er Gott erwähnt hat. So konnte er Vertrauen fassen und frei über seine Religiosität sprechen.

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