20-11-21-CoTaBu-Schreiben zu Coronazeiten und eine Irre

Eine dreistündige Schnuppergruppe fordert immer viel. Ein Spektrum an Methoden muss eingeführt werden. Alle sind neu und fremd miteinander. Das FTZ nennt sie die Onkofrauen. Aus ihren Texten sprach Angst, Vorsicht, das pure Lebenwollen und die Allpräzenz einer Diagnose. Meine Impulse waren darauf abgestimmt. Drei waren zugewandt, an sich und aneinander interessiert. Eine kam wie die Elefantin im Porzellanladen. Setzte sich weit hinter uns (Abstand sei viel zu klein) trotz großzügig bemessenem Mindestabstand. Dahinter geht gar nicht. Alle suchten Lösungen. Aus der Kammer mit Getöse dritten Tisch geholt, ihn in drei Meter Abstand aufgestellt. Während ich den Anfang machte ging sie raus. Als sie wiederkam fehlte Papier. „Das stand nicht im Programm.“ Ich korrigierte: „Bitte Heft, Stift und Schreibbereitschaft mitbringen.“ Sie wollte Papier kaufen gehen, ich bat, zu bleiben, um nicht (noch anhaltender) zu stören. Alle rissen Blätter aus ihren Blöcken, die sie ohne Dank nahm. Der Schreibstil ließ eine gebildete, sprachgewandte Frau erkennen; der Inhalt grob selbst-fehleinschätzend; der Umgang rüpelhaft. Wir behielten die Masken auf. „Wenn man gefährdet ist“, sagte sie anklagend. Ständig offene Fenster brächten eh nichts. Selbst bei einer sensiblen, öffnenden Übung suchte sie das Haar in der Suppe. Fehlende Mimik, erschwerte Akustik, körperlicher Abstand und die Kontenance gegenüber dieser Verrückten zu bewahren strengten ungemein an. Ob Begegnung innerhalb eines Raumes für sie möglich ist hätte sie vorher entscheiden sollen; so lud sie es der Gruppe auf. Um neutrale Formulierung ringend hatte ich ihr das kurzfristig  rückgemeldet. Vielleicht hat sich an dieser Stelle der onkologische mit dem psychiatrischen Ansatz des FTZ überschnitten?

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Eine Antwort

  1. Ines sagt:

    Was für eine schwierige Situation mit so jemandem in der Gruppe. Ich habe mich auch gefragt, warum sie zu so einer Veranstaltung geht. Äußerst anstrengend, damit umzugehen. Da war viel therapeutisches Gespür gefragt.

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