20-12-12-CoTaBu- Belastender Nachhang von gestern
Gesterm lauter schreckliche Begebenheiten, die ich bis in den heutigen Morgen schleppe. Eine ungute Szene in der Übergabe. Danach Auseinandersetzung mit der stets vorwurfsvollen, fordernden Schwester der jungen Hirntumorpatientin. Angeschossen, wie ich von davor war, habe ich sie regelrecht zusammengebürstet; sagte am Ende „lassen Sie uns jetzt unter dieses Gespräch (Telefon) einen Schlusstrich ziehen und ein anderes Mal neu anfangen.“ Ich war so in Rage, dass ich mir von Andi eine Tavor besorgen ließ, der sich „vorkam wie ein Drogendealer“. Später Rückruf bei einer Frau, deren Sohn seit 30 Jahren nach einem Unfall mit 22 Jahren mit hohem Querschnitt jetzt seines Lebens so überdrüssig sei, dass er sie in seine suizidalen Pläne einspannen wolle. Wie er sie drangsaliere schilderte sie differenziert voller Feinsinn und Würde. Das müsse jetzt einmal einmal in die Welt und sie hoffe, dass ich Instrumente hätte, das auch wieder bei mir auszuleiten. Sie wolle einen ersten Schritt tun, aber wohin wende man sich mit sowas?! Das Szenario erinnerte an Horrorszenen bei Steven King. Ich sinne auf Hilfsansätze, ohne zu wissen, ob der Patient dafür offen wäre. Konstruiere je einen Auftritt durch einen Arzt, einen Philisophen, einen Geistichen (diese drei könnte bereits der Jesuit Prof. Frick verkörpern) und einen Juristen – jeder aus seiner Fachlichkeit – meine Spezialität wäre das Zusammenführen, die Kommunikation und das Herausfiltern einer Lösung, wenn es denn eine gibt. – Heute wunderbar taubengrauer Schäfchenwolkenhimmel. Gerne würde ich lernen, welche Namen die Wolken tragen. Dazu müsste ich nochmal Adalbert Stifters Mittsommer lesen. – Gestern wieder Abstrich. Ich spüre mittlerweile den Rachen, der davon im wahrsten Sinne angekratzt ist.
das sind unglaublich schwere aufgaben, die Du stets meistern musst. Es gibt sicher nur selten einfache Lösungen und Dir obliegt die Annäherung an eine gangbare Lösung zu finden. Das Zusammenwirken von verschiedenen Experten könnte helfen und zumindest wären es dann mehrere Schultern, die sich mit dem Problem beschäftigen und die Annäherung an eine Lösung tragen. Wunschdenken? wahrscheinlich…
Deinen Text gelesen. Inhalt hast du mir heute, immer noch aufgewühlt, geschildert.
Ich habe bislang nicht gewusst, dass deine Arbeit neben den Sterbenden auch die Suizidalen beinhaltet. War das schon immer so oder ist das neu? Wie kommen die Angehörigen auf dich? Alle Achtung, wie du das angehst. Ich würde wahrscheinlich sagen, falsche Adresse, da kenn ich mich nicht aus.
Suizid oder Suizidwünsche haben halt auch mit Sterben zu tun. Wenn du eine Anlaufstelle weißt? Sag sie mir. Dass es nicht mein Gebiet ist vermittle ich wohl. Aber kenn ich mich nicht aus, auf Wiedersehen, kommt für eine Soz.Päd. nicht in Frage: ist es doch ein wesentlicher Teil meiner beruflichen Identität, zu nehmen, was kommt und zu suchen, dass ich wenigstens einen Menschen jemandem zuführen kann, bei dem er nicht wieder nur hört: „Fehlanzeige“. Genau das ist ja ein Teil der Verzweiflung. Die letzte- die Anorektikerin – war eine eindeutig psychisch gestörte, sehr auffällige Person. Das war in diesem Fall ganz anders. Ansonsten bin ich diesbezüglich kein Geheimtipp, der massenhaft Selbstmordlustige anziehen würde.