21-01-06-CoTaBu- Teatime +Ernüchterung im Nahverkehr
Mit Unterbrechungen bis Mittag mit Marcelline Desbordes-Valmore im Bett gelegen. Ich lese Kurzporträts mit reichlich Brief- und Gedichtpassagen bedeutender Schriftstellerinnen durch die Jahrhunderte. Manche Namen habe ich noch nie gehört. Schon im 16. Jahrhundert gab es sehr emanzipierte Frauen (Louise Labé??)! Von Jutta Rosenkranz kannte ich Biografien von Paula Modersohn und Mascha Kaleko – so fiel mir kürzlich dieses Buch in die Hände – eine Freude. Von Bine begleitete mich ein Zitat eines vergessenen Kästner-Gedichts:„Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden. Und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm“. Auf dem Weg zu Monika mit Michael und der Musik dieser Zeilen durch den verschneiten Waldfriedhof gestapft. Gerade heimgekommen mit Dostojewsky-Kalender. Monika schwärmt regelmäßig von meiner Augsburger Oma, die sie sehr verehrt hat, wie sie sagt. Für sie als damals junges Mädchen soll meine Oma das Idealbild einer musischen Frau gewesen sein; an diese Aura erinnere ich mich auch noch. Sie zeigte mir ein silbernes Flechtkörbchen, dass sie einst von ihr geschenkt bekam. – Im Bus auf dem Heimweg fesselte zu meiner Ernüchterung ein maskenlos telefonierender Prolet meine Aufmerksamkeit.
Dann hast du vielleicht Gene der Augsburger Oma mitbekommen. Von der musst du mal mehr erzählen. Hattest du eine enge Beziehung zu ihr?
Ein scharfer Kontrast, da die musische Oma und da der maskenlose Prolet.
Das Zitat aus dem Gedicht ist wunderschön.