Januar plus Lockdown
Irgendwie hab ich mich an das Leben ohne Ausgehen und Freunde treffen gewöhnt. Aber manchmal kommt so ein Gedanke oder ein Sehnen danach, sich mal wieder mit Freunden zu treffen oder auszugehen. Der Januar ist eh ein Monat, durch den man irgendwie durch muss, es ist kalt und dunkel und nichts Besonderes in Aussicht, auf das man sich freuen könnte. Auch in der Arbeit hab ich mich an den Corona-Style gewöhnt, nur manchmal kommt eine Erinnerung daran, wie fröhlich und sozial aktiv wir früher unter den Kollegen miteinander umgegangen sind, in der Mittagspause die aktuellen Themen oder neueste Kinofilme diskutiert und uns von unseren Reisen erzählt, das ist schon lange Geschichte. Jede isst bei sich im Zimmer, jedes mal, wenn jemand klopft, Maske auf und auf Abstand reden. Umso glücklicher bin ich, wenn ich Freitags nach Hause komme. Hubert hat freitags seinen freien Tag und hat immer schon viel erledigt an Einkäufen und Hausarbeit, so dass ich gleich mit ihm in ein Wochenengefühl einsteigen kann. Jetzt kocht er uns etwas. Morgen soll Jaron noch mal zu Besuch kommen. Nach seinem Silvesterbesuch, wo er wegen seiner Einsilbigkeit echt anstrengend war, hoffe ich, dass wir morgen etwas einfacher miteinander ins Reden kommen. Ich werde berichten.
Am besten gleich die Korken knallen lassen, oder? Manchmal frage ich mich auch, wie es wäre, das Stillsein mit Stillsein zu beantworten; „die Stillen“ sind es gewöhnt, dass die anderen alles tun, um die Stille zu übertünchen. Spüren sie selber eigentlich diegleiche Beklemmung? – Freunde treffen, ein interessantes Thema. Wer ist das?
Es ist einfach ein Neues Leben, ohne Kino, ohne Freunde treffen, ohne gemeinsame Essen, gemeinsame Abende mit Freunden. Mir kommt es vor, wie eine neue Welt , in der das frühere Leben verloren ist. Stehe vor den vielen Tellern, den vielen Wein-und Sektgläsern in den Küchenschränken und frage mich, ob ich sie jemals wieder brauchen werde.
Das „verlorene Leben“, wie Beate schreibt, kommt sicher wieder zurück.