Eintauchen in fremde Welten, Kulturschaffende, Risikopatientin

Oh, habt Ihr schon viel geschrieben, ich freue mich schon darauf, gleich davon zu lesen! gestern war ich mit Jania in Großhadern zur Kontrolle. Wir warteten nach der Untersuchung zwei Stunden auf den Oberarzt, der sich die Bilder anschaute. In dieser Zeit wurde ich zunehmend nervös, es war das Bangen, dass dieser Pseudotumor wieder gewachsen sein könnte. Ich las in Jannis Schullektüre „Besuch der alten Dame“, weil sie, unansprechbar, bleich, in ihrem Handy rumdaddelte. Der Pseudotumor ist nicht gewachsen, sie soll nur keinen Sport machen. Weg ist er nicht, aber man muss ihn weiterhin beobachten und schnell kommen, wenn er wieder spürbar wird. Wir kauften viele Kuchen und ich brachte sie nach Hause. Im Briefkasten war ein Schreiben mit Berechtigungs-scheinen für 15 FFP2 Masken für Jania.

Es gibt so viele Leute in meinem Umfeld, die durch  Corona in existentielle Nöte geraten. Da ist der Sohn meiner Kollegin, ein Schauspieler, Tänzer, Familienvater, der bis heute keinen Ausgleich vom Staat bekommen hat, Wonny und Achim, die eine Akademie für Kunsttherapie aufgebaut hatten – keine Aufträge, die freischaffenden Künstler, die im Kreis von Sabine sich mit viel Phantasie und Kreativität durch das Leben kämpfen, und so weiter. Nur meinem Freund Rainer geht es anders. Er stürzt sich auf sein Projekt, fotografiert weiterhin in Norddeutschland, Frankreich, Polen Außenlager, jetzt im Winter, reist durch die Lande, übernachtet in Hotels, ruft mich öfter an und spricht mit mir auf die ihm eigene Art über die Auswirkungen, die Corona unter den Leuten anrichtet. Warum er so mobil ist? Ganz einfach, er hat einen Presseausweis. Ich mag die Gespräche mit ihm, seine eigene Art, die Welt wahrzunehmen. Wir können miteinander lachen, uns austauschen. Aber er ist nicht mein Lebensmensch. Wir sind gute Freunde, mehr nicht. So war das auch schon, als wir jung waren. Neulich haben wir darüber geredet, wie einsam wir waren in der Penzberger Zeit, nebeneinander einsam, nebeneinander unberührbar.

ich will mich mit Irland befassen. In letzter Zeit wuchs mein Interesse, vielleicht weil ich mit ihr nicht nur wunderbare Landschaften, sondern auch charmant skurrile Persönlichkeiten verbinde, und da mein Tor zu einem bis dahin fremden Land die Literatur ist, habe ich mir heute drei Bücher bestellt, zwei von Sally Ronny, eines von Anna Burns, mir fielen darüber interessante Rezensionen in die Hände. Irische Literatur, Neuland für mich.

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2 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Corona trifft viele Menschen besonders hart. Ein Bekannter meiner Freundin Gabi hat sich umgebracht. Seine Schwester ist der Meinung ohne Corona hätte er es nicht getan.
    Irland kann ich nur wärmstens empfehlen. An besonders skurille Menschen kann ich mich gerade nicht erinnern.

  2. Ines sagt:

    Zwei Stunden warten auf die Ergebnisbesprechung ist eine Zumutung. Zum Glück kein schlechtes Ergebnis. Aber die Sorge bleibt. Ich bin jeden Tag froh um meinen krisensicheren Job und dass die Existenz nicht gefährdet ist. Es tut mir Leid für alle, die nichts mehr verdienen können. Da kann man depressiv werden.

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