Telefonieren und Eintauchen in Fremdes
von früh bis spät telefonieren- wie ist das bloß auszuhalten! Telefonzeit im Gesundheitsministerium von 8 bis 12, ab 13.00 ein langes Telefonat wegen meiner Arbeit in der Landeszentrale, übergangslos eingesprungen für eine Kollegin im Gesundheitsministerium, wieder Telefonzeit von 14.40h bis 16.15h, dann ab 17.00 ein Personalratsgespräch. Eigentlich wollte ich danach das Telefon auf „Stumm“ schalten. Da meldete sich Alina. Und da wurde es endlich interessant. Sie erzählte mir von einer mir völlig fremden Welt, die sich im Rahmen ihres Studiums auftut, sie nennt es Identitätspolitik, es geht um Toleranz gegenüber Minderheiten und ihre geschlechtliche Identität, es geht da um Begriffe wie Binär, Trans, aber nicht nur, manche sehen sich in ihrer Identität als Katze, Hirsch, Hund, außerdem gehen damit auch Vorstellungen einher, wie man Leute, die nicht gewillt sind, dergleichen Spinnereien zu tolerieren, disziplinieren sollte. Ich mutmaßte, dass da wohl viel in den neuen Medien zu finden sei, aber nein, meinte Alina, darüber werden Arbeiten im Rahmen des Politikstudiums geschrieben und diskutiert. Ein weiteres Thema ist die Cancel culture, darüber hatte ich immerhin schon den einen oder anderen Artikel im Spiegel gelesen, mitreden kann ich dennoch nicht wirklich. Als ich auflegte, kam ich mir sehr alt vor und verstand endlich, warum Alina sich selbst immer als „konservativ“ beschreibt.
Saxndi. Jetzt haben wir durch Ines gelernt, was non-binär bedeutet und glaubten uns auf der Höhe der Zeit. Dass man auch als Hirsch unterwegs sein kann habe ich bisher ganz anders verstanden. Darf es wahr sein? Wäre es eine ausgeprägte Neigung, in Märchenwelten unterwegs zu sein wie Renates Enkelkinder, aber nein, ich fürchte, es ist anders zu verstehen. – Übrigens Wahnsinn, dein Telefonpensum!
Was es alles gibt! Davon habe ich ja noch nie gehört. Gibt es dafür auch einen Begriff?
Dein Telefonpensum übertrifft meines um Längen.
Das ist doch total crazy mit diesen Tieridentitäten. So ein Blödsinn, ehrlich. Ich bin kein Mensch, sondern fühle mich wie ein Hirsch.