21-02-08-CoTaBu-Corona pur – ein Tag, der buchstäblich Kopfweh macht
Meine Arbeit ist nur noch auf Anfragen reduziert. Keine Gruppen, Wochenenden oder Andachten; und, nicht dass ich sie vermissen würde: Kurse. Was meine Arbeit abwechslungsreich gemacht hat, auch die intensiven, fortlaufenden Gespräche mit Patienten und Angehörigen, fehlen. Heute stach mir besonders ins Auge, wie Telefonate von dem abweichen, was über die Jahre üblich war. Da rufen Frauen an, denen es schlicht an Information und Kontakt fehlt, sie dürfen nicht zu ihren Kranken. Aus dem, was sie mir schildern, reime ich mir zusammen, dass das Therapieziel Richtung palliativ justiert wurde, aber mit der zentralen Angehörigen darüber nicht gesprochen wurde. Nicht jeder weiß, was das bedeutet. Eine fing von „verhungern“ an, davon, dass es nicht besser würde durch „in die Augen schauen“, man müsste mal Blut abnehmen. Sie wusste gar nicht, wo ihr Mann steht, auch nicht innerlich. Jemand hat schon ein ambulantes Hospiz eingeschaltet. Aber wenn dir das alles kein Begriff ist? – Eine Patientin, die vergangenen Freitag zu uns kommen sollte und beim obligatorischen Abstrich positiv war, musste über eine Notaufnahme erstmal auf eine Covid-Station. Dort darf sie jetzt nicht bleiben. Sie ist positiv, zeigt aber keine Symptome, soll wieder nach Hause, keiner weiß wohin mit ihr. Sie ist aber sterbenskrank, sodass man sie nicht sich selbst überlassen kann. Das Telefonat habe ich mit Hope, einem häuslichen Pflegedienst geführt. Sie erwägen, die Patientin trotzdem zu versorgen und wollten sich versichern, ob wir sie übernehmen, sobald sie negativ ist. So muss man jetzt eigentlich HOFFEN; dass es ihr möglichst schlecht geht, sodass sie bleiben kann. Der Sohn, Krankenpfleger, selber positiv gerade, war Tage vorher beim Arzt mit allen Symptomen. Das sei kein Corona. Jetzt ist es das doch, er ist richtig krank und darf nicht zur Mutter.
so sterbenskrank und dann noch Corona- sie ist sicher kein Einzelfall, aber es ist auf jedem Fall erschütternd
Auch wenn ein erheblicher Teil deiner Arbeit wegfällt, so leistest du dennoch viel bei den Beratungen der Menschen, die anfragen. Corona verkompliziert alles, was eh schon kompliziert ist.