Frankfurt
Die Hinfahrt war ein Gräuel. Wegen des Wetters. Ich fuhr mit Jania im vollgepackten Auto los: Eine Klappmatratze, Bettzeug, auch alles andere, was wir meinten zu brauchen und Geburtstagsgeschenke. Also voll ausgestattet. Kurz vor Ingolstadt Hagel und gleich drauf vorne im Stau. Auf der Gegenspur kein Auto. Nach gefühlt einer Ewigkeit dann der Unfall. 22 Autos sind kollidiert, darunter zwei Lastwägen. Wegen dem Hagel, erfuhr ich später aus den Nachrichten.Ein grausamer Eindruck mit all den vielen Blaulichtern, zerquetschten Autos, Abschleppwägen – ab da fuhr ich eher langsam, nicht nur wegen des Wetters, denn es wechselten sich weiterhin dichter Nebel, Regen, Schnee, Sonnenschein und wieder Regen ab und das im dichten Verkehr am Freitag Nachmittag. Alina freute sich sehr und hatte groß aufgekocht mit Vor- und Nachspeise. Janni war schwer beeindruckt von der Wohnung. Die Zeit war nicht ganz unbelastet, Janni biß sich einmal auf die Zunge und war ängstlich, weil ihre Krankheit durch eine Verletzung im Mund entstehen (und wieder ausgelöst werden) kann. Auch entbrannte eine heiße Diskussion zwischen ihr und Alina, denn sie wollte zeigen, dass sie „schon groß“ ist und thematisierte die Vielzahl der geschlechtlichen Identitäten Alina konterte auf die nur ihr eigenen Art (eines ihrer „Lieblingsthemen“ ist Idenditätspolitik), worauf sich Janni zurückzog und Sirena anrief, darüber lästerte, wie spießig die Tante geworden sei. Janni kam an den Tisch zurück, mit versteinertem Gesicht, sie hatte offenkundig geweint. Der weitere Abend wurde dann doch ganz schön, wir spielten Dominion, bis wir alle müde ins Bett fielen, Der Geburtstag selbst war dann ein entspannter Tag mit Spaziergang über den Campus, einem Stadtrundgang und einem langen Abend. Die Heimfahrt war kurz, Janni verband ihr Handy mit meinem Lautsprecher und wir hörten Queen, Michael Jackson und mindestens 10 Mal das Intro von „Heidi“, bei dem wir laut mitsangen. Wir haben ansonsten kein Wort gewechselt und uns pudelwohl gefühlt. Obwohl sie schon groß, von Gestalt und Alter ist, und eben auch sehr in der Pubertät, haben wir Beiden häufig einen stillen Gleichklang miteinander.
Diese übergroße – kann man sagen intergenerationale? – Nähe zwischen euch Frauen kann sich auch in Konflikten entladen; es ist eben kein Verhältnis wie zwischen Tante und Nichte, sondern eigentlich wie bei Schwestern. Nur du gleichst nach allen Seiten aus. Wo wohl die Unterschiede im Streitgespräch lagen?
Die Hinfahrt, ein Schreckensszenario. Oje. Die Konflikte habt ihr irgendwie gemeistert. Gleichzeitig Queen und Heidi zu hören, zeigt die Schwelle, auf der Janni sich gerade befindet, zwischen Kind und Erwachsensein.
Freitagverkehr und dann noch dieses ständig wechselnde Wetter hat dich ganz schön herausgefordert. Das sich deine Enkelin gerade an das Thema wagte, war doch recht mutig, auch dass sie wieder zurückgekommen ist. Gut, dass der Abend doch noch schön geworden ist.