21-04-07-CoTaBu-Brückenlockdown vs. selbstgewählte Versenkung
Mein Urlaub: sträfliches Herumhängen. Von außen dringt Brückenlockdowngeschwafel zu mir durch. Heute war ich lediglich zur Tonne vor der Tür. Morgens bissel Kommoden durchwühlt, die kreuz und quer im Zimmer stehen. Jetzt kommt das Schrankprojekt und ich ermatte, bevor es konkret wird. Jeder Depp schafft das, nur ich nicht? Wir greifen zu Ikea – das System ist laut Michael unschlagbar. Allein die Planung kostet Zeit und Nerven, nichts klappt auf Anhieb. Ob meine halbe Wohnung darin Platz finden wird? Ich fühle mich wie die faulste aller Pechmaries. Michael macht und tut, und ich lasse mich fallen, lese und schlafe. Michael hat die eine Ecke gestrichen, der Rest steht proppenvoll. Das erinnert daran, als er und Jakob den Pinsel fallen ließen, um „morgen“ weiterzumachen, was nie geschah. Ich würde sofort jemanden engagieren. Aber meinen millionenfachen Kleinkram räumt kein Handwerker weg. – Heute kam ein Anruf von Sonja. Im Hospiz ist einiges geboten. Jemand hat Hausverbot bekommen, der Christine Prügel angeboten hatte. – Heute vor zwanzig Jahren ist mein Vater verunglückt. Amselben Tag der Vater zweier Mädchen aus dem Umfeld meiner Kinder, der am Unfallort gestorben ist. Mich berührt so merkwürdig, dass seine Frau nach Peters Tod das Wort nie an mich gerichtet hat, ich nach dem Tod ihres Mannes nicht das meine an sie, sie wiederum nach Simons Tod nicht an mich. Wir scheuen jede Berührung seit über 25 Jahren. Über mir hängt ein Bild, auf dem meine Familie sich in nie dagewesener Harmonie um meinen Vater im Rollstuhl schart. Beide Eltern und ich mit meinen drei Söhnen. In manchen Momenten erreicht mich das Bewusstsein, dass von sechsen nur noch drei am Leben sind.
ich würde Euch am liebsten Jörg zur Seite stellen, dann hätte Michael Verstärkung. Dass Du nicht die Kraft findest, anzupacken, verstehe ich sehr gut, bin ja aus demselben Holz geschnitzt. Tu mich schon schwer, den verkalkten Aufsatz vom Wasserhahn abzuschrauben. Der Unfall Deines Vaters – er hat ein paar Tage zuvor bei mir spontan vorbei geschaut und ich hatte keine Zeit. Das berührt mich noch heute
Bestimmt warst du immerhin sehr freundlich zu ihm, was ich von mir ihm gegenüber nicht immer behaupten kann.
In einer vollen Wohnung streichen oder einen Schrank aufbauen, der reinste Horror. Das mit dem Hausverbot hat mir Sonja bei unserer, stets unterbrochenen, Übergabe auch gesagt.
Das ist heute ein denkwürdiger Tag für dich.
Das Schrankprojekt steckt noch etwas fest. Wenn du einmal anfängst und die erste Hürde der Trägheit überwindest, wird es schon viel leichter sein.