21-04-10-CoTaBu-Urlaubsendspurt: Räumen mit ungeahnten Kräften
Endlich im urlaubstypischen Räumfieber angekommen. Nach dem Flop der letzten Tage mit endlosen Schrankplanungen und gestriger Ikeaernüchterung disponiere ich um. Jetzt habe ich mit Michaels Hilfe – eigentlich war es überhaupt seine Initiative – meine „Kammer“ (auf dem Weg ins Bad) inspiziert. Peter hatte dort hohe Regalböden angebracht, die allerhand beherbergen. Alles runtergeholt, Bretter geduscht. Massenhaft Bilder – zunächst oberflächlich – gesichtet – von Peter; Simon; Jakob; Fabian (wenig); Schätze von Eltern (z.B. Dürers „grüne Passion“ als Faksimile) und Lollo; alles soll nach oben wandern. Luxuriöse Aufbewahrungskoffer, insbesondere für Großformatiges, bei Boesner bestellt. Tausend Behältnisse gesichtet. Allein die rosa-hölzerne Peterschatzkiste zu durchforsten bräuchte Tage. Eine herrliche Muschelkitschmadonna; Stein in Schafform von unserer gemeinsamen Ostseereise; Haschischpfeife. Schachtel gesichtet mit Papierschätzen anderer Art (z.B. Berlin 1977). Innige, leicht wahnsinnig anmutende Liebesbriefe von Ingo, dann Peter, Blasseres von passageren Verflossenen; Sterbebildchen einer Klassenkameradin, die mit 13 an Krebs verstorben ist, Beate, du erinnerst dich. Glückwünsche zu den Kindern. All die Handschrifften von Menschen aus der Vergangenheit, manche erinnere ich kaum; wenige, wie Beate (Schrift sofort charakteristisch) ragen ins Heute hinein. Gezeichneter Ostergruß der kleinen Lollo an den Bruder Oskar, der starb, als sie 12 war: kraftvoll über Blumenwiese galoppierender Hase. Zwischen allem Kondolenzen zu Peters Tod; kleine SZ-Annonce: Peter ist tot. Obduktionsbericht. Ich habe den ganzen Tag gewerkelt und bin geschafft und bewegt von all den Eindrücken. Auch mit und IN einem Schrank würde es über kurz oder lang aussehen wie immer bei mir. Meine Mutter sagte mit Recht: In deiner Tasche sieht es aus wie in deiner Wohnung. Später bewunderte sie: alles griffbereit bei dir! Michael glaubt, Wohnbehagen entstünde für mich erst, wenn überall etwas herumläge.
Oh, es sind viele Schmerzen, Freuden, Kostbarkeiten, die da aus der Vergangenheit wieder un die Hände gefallen sind. Welches Gefäß mag da das Richtige sein? Geht es überhaupt, eine Ordnung zu schaffen- und welche?
Das ist unfassbar, was alles zum Vorschein gekommen ist. Was heißt, es soll nach oben wandern? auf den Speicher? Meine ganzen Briefe sind einem Wasserschaden zum Opfer gefallen. Aber ich fand es okay, sie dann weg zu tun. Jedenfalls freut es mich, dass du einen Energieschub hattest. Schrankprojekt erst mal ade.
Nach oben: auf die Bretter in der Kammer, also in nicht ganz greifbare Nähe…eher mit Leiter. Den Speicher willst du nicht sehen: ganz schlimm vollgestopft.
Du hast sicher recht wenn du sagst, in einem Schrank würde es über kurz oder lang auch wüst aussehen. So hat jede Frau ihr ganz eigenes „Ordnungs“ System. Ich kann es nicht leiden wenn ich erst ewig wegräumen muss, um an einen Gegenstand zu kommen. Auf alle Fälle hast du viele Schätze geborgen. Gut zu wissen, dass es sie gibt.