Autismus, Intensivstation und April

Kurz vor Feierabend im Kinderzentrum. Gleich geht’s ins Wochenende zum Schliersee. In meiner Arbeit bin ich derzeit richtig froh über jedes Kind, das nicht autistisch ist. Da in meiner Sprechstunde inzwischen 2 von 3 Kindern mit dieser schweren tiefgreifenden Entwicklungsstörung auflaufen, habe ich das Gefühl, dass es davon immer mehr gibt. Es kommt mir vor wie eine Seuche, die sich immer weiter ausbreitet, ohne dass man weiß, woher das kommt. Wir haben hier fast nur noch Migranten in der Sprechstunde und viele Kinder sind mit Medienkonsum verdorben, aber das allein kann nicht der Grund sein. Angeblich liegt die Ursache ja in den Genen, aber warum gibt es immer mehr Autisten oder ist das nur die Einbildung? Jedenfalls freue ich mich, wenn ein Kind einfach nur eine Sprachstörung oder eine Verhaltensstörung hat. So war es heute bei den beiden, die zu mir kamen, ein russisches Mädchen und ein bosnischer Junge, beide gerade 3 Jahre alt. Gestern Abend habe ich in die Sendung „quer“ reingeschaut und dort einen Beitrag über die Intensivstation im Klinikum Großhadern gesehen. Dort kämpfen die Menschen, die an Covid erkrankt sind, mit ihrem Leben und die Pflegerinnen sind am Anschlag und können es überhaupt nicht verstehen, wieso die Regierung nicht mehr tut, um das Virus einzudämmen. Die Bilder von den Intensivpatienten sind sehr verstörend, sie liegen da, meist im Koma, ohne Kleidung, massig und aufgedunsen und werden von 8 Pflegern gemeinschaftlich umgedreht. Solche Bilder erlauben dann keine Verdrängung mehr. Nach wie vor kenne ich niemanden, der schwer erkrankt ist. Die Bekannten, die den Virus bereits hatten, litten unter keinen schweren Symptomen. Dadurch verdränge ich immer wieder, wie ernst die Lage ist. Hinzu kommt, dass jetzt fast alle meine Freundinnen und Verwandten geimpft sind. Aber das ist ja nicht repräsentativ. Also weiter Durchhalten der Hygienemaßnahmen, Verzicht auf größere Treffen, auf Urlaub, Ausgehen, Shoppen und kulturelle Veranstaltungen. Ich stelle mich darauf ein, dass es noch lange so bleibt. Jetzt schwinge ich mich aufs Rad und freu mich, dass ich gesund und fit bin  und dass die Bäume langsam grün werden, trotz der eisigen Kälte. Übrigens heißt es, dass der April die letzten Jahre viel zu warm war und dass es so, wie es dieses Jahr ist, der Normalfall eines Aprils ist.

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2 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Wie hat sich im Lauf der Jahre und Jahrzehnte doch das Profil deiner kleinen Patienten und ihrer Familien gewandelt! Ich bin gespannt, wie man – wiederum in einigen Jahren – über Ursachen von Autismus denken wird. Wenn es denn genetisch sein soll: was könnte es sein, das in dieser Weise auf die Gene eingewirkt hat? – Auch mich errreicht nicht jederzeit, was Corona auf die Nähe bedeutet. Eben habe ich in der Zeit über Pest, Pocken, Aids und zuletzt Corona gelesen. Hochinteressant. Ich war neu motiviert, meinen Beitrag zu leisten.

  2. Renate sagt:

    Oft sind die gezeigten Covidpatienten übergewichtig und müssen mit acht Kräften gelagert werden, was für die dünne Pflegedecke eine zusätzliche Belastung ist. Ich sage auch immer wieder Danke, dass ich gesund bin. Dieser April ist so wie ich ihn von früher kenne. Wir sind diese Kälte um diese Jahreszeit nicht mehr gewohnt.

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