Abgeschieden am See

Wieder ein Tag am Schliersee verbracht. Durch das graue und kalte Wetter sind kaum Touristen unterwegs, deshalb ist es menschenleer. So leer, dass ich mir hier völlig abgeschieden von der Welt vorkomme. Man hört und sieht nichts von den Nachbarn. Nach der Sauna am Nachmittag kann man nackt ums Haus gehen, wie in einem weit abgelegenen Stück Land in Kanada kommt es mir vor. Aber die Zivilisation ist natürlich nicht wirklich weit weg. Heute Vormittag beim Radlgeschäft des Ortes gewesen. Wir sind einfach rein gegangen und wurden gleich hinauskomplementiert, da man nur noch mit Termin und negativem Testergebnis rein darf. Trotzdem konnten wir unser Anliegen vorbringen. Den Tag über viel Zeitung gelesen, viel gegessen, sauniert und mit Jaron telefoniert. Ich war beruhigt, da ich den Eindruck gewann, dass es ihm gut geht. Er hat mir ein paar Fotos von seinem Zimmer und seinem Balkon geschickt. Er hat es sich schön eingerichtet. Das beruhigt mich. Immer habe ich etwas Sorge um ihn, dass er vereinsamt und dass er sich nicht ausreichend um sich selber kümmert und irgendwie versumpft. Zum Glück konnte das zerstreut werden. Am Abend wieder Spargel gekocht und ein bisschen ferngeschaut. Hubert und ich sind friedlich miteinander. Ich liebe es besonders mit ihm zu kochen, dabei Musik zu hören und ein Glas Wein zu trinken. Dann fange ich oft das Tanzen an und dann ist es gerade schön, dass wir die einzigen Menschen weit und breit sind.

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Wirklich!? Du fängst das Tanzen an?! Ist ja reizend! Was du über das Abgeschiedensein schreibst zeigt den Vorzug der trüberen Witterung. Deine Sorge um Jaron ähnelt meiner Sorge um Jakob seit eh und je. Die beiden waren aufgehoben im Windschatten ihrer glücklicheren, sonnigeren Geschwister und haben diese Schwere bekommen, als die Großen anfingen, sich abzunabeln und selbstständig zu machen.

  2. Beate sagt:

    es liest sich wie ein Reisebericht aus Kanada! Aber ich kenne die Stimmung gut, am Krainsberg habe ich mich manchmal auch so gefühlt- und das tut uns Großstadtpflanzen sehr gut!

  3. Renate sagt:

    Tanzen beim kochen und nackt ums Haus, das klingt gut. Von der Frage nach einem Coronatest seid ihr so überrascht worden wie ich. Nachdem die Regeln sich jeden Tag ändern, blickt man gar nicht mehr durch.

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