21-04-21-CoTaBu-Wieder mal Thema Suizidalität + heilsamer Abend

Wieder ein alter Mann mit Schmerzen von Kopf bis Fuß, der einen Arzt zum assistierten Suizid sucht, weil er sein Leben nicht mehr aushält und nicht von einer GelenkOP zur nächsten gereicht werden will. Er habe alles probiert. Nimmt regelmäßig Morphium; es scheinen schwer beherrschbare Schmerzen zu sein, allerdings ohne Grunderkrankung (für uns). Quälendes Gespräch. Meine parallele Recherche im Internet führte von Telefonseelsorge über „Bündnis gegen Depression“ bis zur Positionierung der Palliativszene gegenüber Suizidaltät. Von Depression wollte dieser Mann nichts wissen, auch wenn er seine – brutal gesagt – „Platte“ mit immer dergleichen negativen Gedankenschleife immer wieder auflegte. Zum eigenständigen Suizid offenbar nicht fähig; er sei Kraftfahrer gewesen, da sei einem ein überfahrener Igel wochenlang nicht aus dem Sinn gegangen, das will er keinem zumuten. Die Nachbarin habe sich aus dem 4. Stock geworfen und überlebt. Er selber hatte Schlaftabletten genommen, bei seiner Frau sei der Ausflug ins Wasser gefallen, da hat sie ihn gefunden. Kann es sein, dass ein Mensch ein solcher Pechvogel ist? Ein anderer soll es richten. Sein Hausarzt macht es nicht. Wenn ich ihm einen Arzt nenne, das könne in aller Stille und Diskretion über die Bühne gehen. Ich sage, ein Arzt kann so nicht handeln, so einfach sei das nicht. Diese Menschen rufen bei uns an, weil sie buchstäblich nirgendwo landen. Man bekommt Hilfe, um es NICHT zu tun. Diese Hilfe greift oft nicht. Aber wenn man das nicht will? Hilfe muss man WOLLEN. Es hat mich so runtergezogen. Depression im Alter wird behandelt wie ein Nischenthema und ist eine Volkskrankheit. – Danach heilsame Behandlung bei Herrn Diemer. Gott sei Dank hatte ich notdürftig fußpflegerisch vorgearbeitet, zumal unser Termin vorerst ausfällt. Dann letztes Essen mit Fabian bei Michi. Friedlich. Tulpen bekommen.

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Oh wie schwer stelle ich mir das Gespräch mit dem Mann vor! Und wie unerträglich müssen seine Schmerzen sein!

  2. Ines sagt:

    So ein schwieriges Thema. Das würde mich auch runter ziehen. Schön, dass es mit Fabian einen friedlichen Abschluss hatte. Irgendwie rauft ihr euch ja immer aufs Neue zusammen.

  3. Renate sagt:

    Mir ging der alte Mann, den ich erst am Telefon hatte, auch nicht aus dem Kopf. Wie lange wieder dieses Leben noch ertragen?

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