21-05-01-CoTaBu- Geruhsamer 1. Mai – Japankonzert, Bachmann + Traum

Heute haben wir – gefasst auf etwaige Impffolgen – wieder unseren Spaziergang frühmorgens gemacht. Den Regen habe ich dann verschlafen an diesem ereignislosen 1. Maisamstag. Die verbliebenen zeitraubenden Zeitungsstöße habe ich beiseite gelassen; einiges entsorgt, einiges aufbewahrt. Mir war nach gar nichts, auch nicht nach Telefonieren. Auch nicht nach dem Wasserläufer, an den ich momentan den Anschluss versäumt habe; so habe ich mich in Bachmanns Malina eingelesen, als läse ich es zum erstenmal. Mag die literarische Atmosphäre dieser Zeit. Nachmittags habe ich, einem dieser zahlreichen Hinweise von der deutsch-japanischen Gesellschaft folgend, ein Konzert auf Youtube angehört. Sehr meditativ, zwischendurch Tanzdarbietung, traditionell; Kalligrafieeinlage und verschiedene Betrachtungen zu Spiegelungen. Z.B. in der Teetasse, da man dem Gast früher nicht direkt ins Angesicht blicken durfte. Einmal wurde der Mond vom Klavier ausgedrückt, seine Spiegelung auf dem Wasser dagegen von der Flöte. Das hat mich an Deniz Ohde erinnert: im Türkischen gibt es ein eigenes Wort für die Spiegelung des Mondes auf dem Wasser. Abends kam Michael ausnahmsweise zu mir zum Essen, war dann aber todmüde. Geträumt, Frater Karl sei gestorben. An wen die Kondolenz richten? Während ich schreibe überkommt mich Euphorie. Welches Glück, so träume ich, dass er in seinem (Ordens-)freien Jahr sterben darf. Frei wie ein Adler, jetzt, wo er leben darf ohne Ordensregel. Auch ohne das Alter abwarten zu müssen (das mir – ohne Traum – immer schrecklicher erscheint). Magdalena war die Überbringerin der Nachricht. Vielleicht ist der Ordensbruder Karl nun begraben und der Mann namens Manfred tritt nach Jahrzehnten hinaus ins Leben?

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7 Antworten

  1. Renate sagt:

    Karl ist, vorläufig für ein Jahr, dem Orden entronnen. Das Wort entstorben wäre passender. Ja, jetzt kann er frei leben und sterben. Linda kam heute wieder auf ihre Heilpraktikerin zu sprechen, die von Karl sagte, mein Partner.

    • Heike sagt:

      Ja eben, vielleicht bleibt er entronnen. Das denke ich und das könnte der Traum auch sagen. Seine „besten Jahre“ hat er dort schon (unglücklich) vertan, aber vielleicht ist das eine ganz falsche Sicht. Wie überall: Sicherheiten sind die verlässlichsten Fesseln.

      • Ines sagt:

        Ein meditativer Nachmittag. Immerhin wart ihr morgens draußen, das hab ich heute nicht geschafft. Welches ist der Orden von Frater Karl? Dass man sich eine Auszeit vom Orden nehmen kann, wusste ich nicht.

        • Heike sagt:

          Er ist Barmherziger Bruder. Das mit der Auszeit wusste ich auch nicht. Es könnte eine äußerst selten angewandte Möglichkeit bei starken Zweifeln sein. Vielleicht auch, weil Orden ja extreme Nachwuchsprobleme haben. Sie brauchen jeden Mann, und Karl ist einer der Jüngeren (inzwischen sicher auch um die 50). Der hat vorher schon Freiheiten ausgeschöpft, die er eigentlich gar nicht hatte. Ich glaube, wir wissen gar nicht, ob wir darüber sprechen dürfen, wahrscheinlich eher nicht.

  2. Beate sagt:

    Ist Frater Karl in einem Alter, wo der Tod schon nahe ist? Hat er über seine Motive gesprochen, warum er den Orden für ein Jahr verlassen hat?

    • Heike sagt:

      Er hat den Orden nicht verlassen. Wir haben uns gerade überschnitten beim Schreiben. Und da wird überhaupt nicht drüber gesprochen. Renate ud ich wissen es auch nicht hochoffiziell. Ich denke also, er dürfte jetzt um die 50 sein. Und Fantasien haben wir jede Menge. Ein Orden, soweit kann man sagen, ist ein sehr rigiges, geschlossenes System. Und manche der wenigen Brüder sind auch ganz schön verknöchert. Was einem in so einem Leben entgeht wüsste jeder zölibatär lebende Pfarrer zu berichten, der allerdings abends seine Ruhe hat. Der Orden hat immer Aufgaben für seine Mitglieder.

    • Heike sagt:

      Achso, nochwas. Wann sind wir dem Tod nahe? Es ist ja nicht immer eine Frage des Alters.

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