Zuhause

vorhin klingelte zwei Mal mein Handy. Nach meinen vier Stunden telefonieren habe ich selten Lust, am Abend noch einmal mit jemandem zu reden. Es war Rainer. Ich rufe ihn zurück, morgen. Seit  ich mit ihm so gut und effektiv am Artikel gearbeitet habe, hat er mir schon verschiedene Vorschläge weiterer gemeinsamer Projekte gemacht. Seine nächste Station ist Russland  und vielleicht wandert er auch aus, sagt er, nach Russland oder in die Schweiz. Ich mache mir Gedanken: Wann ist der Zeitpunkt, seine Zelte abzubrechen? Wie leicht fällt es Rainer? Er ist mit 30 Jahren nach Spanien aufgebrochen, zwanzig Jahre später nach Deutschland mit zwei Töchtern zurückgekommen. Als ich nach Berlin ging, um da zu studieren, fiel mir der Aufbruch leicht, in Berlin bin ich gefühlt dreißig Mal umgezogen, als ich wieder zurück nach Bayern zog, war es, als käme ich in ein fremdes Land. Will sagen, ich kenne Brüche, manchmal mit Wehmut begleitet, manchmal nur entfernt ein wages Gefühl, das hätte ein guter Platz sein können, den ich gerade verlasse. Nach Russland brächten mich jedenfalls gerade keine zehn Pferde, auch nicht sonst wohin. Ich bin zufrieden mit meinem Zuhause.Angekommen. Das ist gut so.

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3 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Russland oder Schweiz. Noch größer kann der Unterschied nicht sein. Oft sind des berufliche Gründe umzusiedeln. Ob es bei deinem Bekannten auch so ist?

  2. Heike sagt:

    Das muss schon in den Sternen stehen, tief angelegt sein. Ich kenne Menschen, deren Fernweh chronisch ist und auf mich grotesk wirkt. Wenn Rainer immer berufliche Ziele verfolgt ist er vielleicht überall zu Hause. Ich selber müsste mindesten wie Mutter Teresa Suppe ausschenken dürfen. Ohne das zöge mich nichts in die Ferne. Ich bin zuinnerst seßhaft.

  3. Ines sagt:

    Innerhalb einer Stadt umzuziehen, finde ich auch ganz reizvoll. Aber in ein anderes Land würde ich schon wegen der Sprachbarriere nicht gehen, mal abgesehen von den kulturellen Verschiedenheiten. Ich bin immer wieder froh, wenn ich aus dem Urlaub nach München zurückkehre, so interessant es woanders auch sein mag.

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