21-06-16-CoTaBu- Ein „Aus“ nach Scheintod und Wiederbelebung

Vorgestern war`s, als stürben wir langsam gemeinsam ab. Gestern geradezu munteres Beisammensein. Michaels brüllender Knieschmerz (nach monatelangem Schulterschmerz) weggehext. Vorausging ein Telefonat: eine Schwester versuche, Anni umzugewöhnen, nach Frühstück und nach Mittag hinzulegen, was fürs Erste gelang. Auch hatte Anni erstmals Fußpflege freudig angenommen, wogegen sie sich bislang massiv wehrte. Michael muss im Gegenzug lernen, dass seine Mutter schläft und dass er sie nicht dauernd stören soll (was ich ihm schon ständig predige, damit sie und die Pflegenden eine Chance bekommen). Energetisch befreit haben wir nach dem Abendessen sogar noch herumgewurstelt. Nachts beeindruckenden Film über einen Pädophilen gesehen und viel gelernt dabei; Kopfweh, nicht schlafen können, Tablette, um 3:00 war ich zuletzt draußen. Morgens abgeschlagen, schwindelig – schlechten Gewissens krankgemeldet. Für Michael Einkaufszettel geschrieben, er macht das anscheinend gern. Legen wir uns also doch noch nicht, stellvertretend für Anni, den Rest unserer Leben ins Koma?  – Übrigens ist die „Sommerspielstraße“ an der Südlichen Auffahrtsallee eröffnet, ich bin noch zweimal aus Versehen durchgeradelt. Alles vermüllt bereits nach dem ersten Wochenende, Flaschen liegen mitten auf der Straße. Bald kommen sicher wieder diese Spaß-Angebote, die mich letztes Jahr schon so verdrossen haben, als Gondeln mit lustlosen Kindern übers brackige Wasser trudelten. Eine depressive Flaniermeile. Schönheit und Anmut des Ortes genügen nicht, es muss was draufgesetzt werden. Bin nur ich so negativ? – Seit Heiligenfeld begegnet mir allmorgendlich zur gleichen Zeit eine Spaziergängerin. Jegliches Attribut, das auf ein zeitliches, örtliches oder Handlungsziel hindeuten könnte, fehlt. Zwölf Jahre lang tagaus tagein, sommers wie winters. Wir grüßen uns freudig, kennen uns nicht, und immer frage ich mich, was das für ein Leben sein mag. Begegnung namenlos, die zu meinem Leben gehört.

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Mal wieder ein Beispiel, wie Körper und Psyche zusammen gehören. Ich wünsche dir, dass du Energie tanken kannst. Ich weiß zwar nicht, was auf der sog. Sommerspielstraße angeboten wir , aber ich finde diese Kinderbespaßung auch daneben, oft mit der unvermeidlichen Hüpfburg und Fressständen. Die Unbekannte wird sich wohl auch fragen, wer du bist.

  2. Renate sagt:

    Linda findet diese Sommerspielstraße auch unmöglich. Die Ruhepausen werden Mutter und Sohn guttun. Wir haben die Erfahrung mit unserer Mutter, dass viel fragen nichts bringt, da kommt immer ein Nein.

  3. Beate sagt:

    was Du über die Spielstraße schreibst: Oh je! Da habe ich 12 Jahre lang gewohnt, habe die Nähe zum Park genossen und ledigliglich dann viel Müll gesehen, wenn das Neue Jahr angebrochen war

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