Luxussorgen

Was ist das für eine Last, geerbt zu haben! In dem Fall geht es um einen riesigen Teppich, das Prunkstück, das im elterlichen Wohnzimmer lag, so riesengroß, dass man nur schwer ein zweites Zimmer findet, in den man es legen kann. Bestens erhalten, klar, im elterlichen Wohnzimmer wurde nicht gewohnt. Ich habe ihn erst einmal jahrelang in meinem Arbeitszimmer ausgelegt, das ich auf der Praterinsel hatte. Mit den schiefen Wänden unterm Dach sah er schon weniger prächtig aus. Straßenschuhe ausziehen konnte ich den Referenten, die zu mir kamen, nicht abverlangen. Dann zog ich in ein anderes Zimmer, der Teppich musste weg. Lag dann bei Sirena wie ein Teppichboden, füllte das ganze Zimmer aus, bis die Motten kamen. Und dann begann der Ärger. Aufwendig waschen kostete schon ein Vermögen. Der Teppichhändler, ein Iraner, der von einer Schönheit ist, dass man niederknien möchte, bot mir eine Tausch an. Ich sagte zu: zwei Teppiche, für jede Tochter einen. Der für Sirena hatte schon einen stolzen Aufpreis. Dann kam eine große Störung in den Handel: Ich gab ihm meinen kleinen Seidenteppich zum Waschen mit. Der Teppich ist jetzt kleiner, ausgebleicht, die Seide verkrumpelt. Schlaflose Nächte mit Ärger darüber in Pergine. Mails geschrieben, an den schönen Händler, an die Söhne der Frau in Bad Tölz, wo meine Mutter die Teppiche gekauft hatte, an zwei Rechtsanwälte, meine Rechtsschutzversicherung . Heute habe ich einen Termin beim Teppichhändler, bin informiert (Fazit: Teppichkauf ist Vertrauenssache!) und habe meine Tochter Alina an der Seite, die sehr bissig werden kann, wenn sie Ungerechtigkeit fühlt.

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4 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Das ist eine köstliche Geschichte – durch drei Generationen – mit dem Händler wie in 1001 Nacht, dem Schmeichler, dem Betrüger! – dem Quatsch überhaupt mit all der Belastung um solch ein Zeug, das man natürlich nicht wegschmeißen kann – ich stehe in Penzberg in diesem Wohnzimmer, ich sehe deine Referenten auf Socken (oder eben nicht auf Socken). – Und: ich sehe meine dement werdende Mutter, die sich von so einem Halsabschneider auch Tausende von Euro hat abschwatzen lassen, allerdings hüpfte da aus der Ware bei gesunder Sehkraft gleich allerhand Kleintier – wir die Teppiche direkt zum Sperrmüll gebracht und der Händler (der meine Mutter noch selbst zur Bank gefahren hat mit mehr Handgeld, als je eines von uns Kindern und Kindeskindern rübergeschoben bekommen hat, über alle Berge. Dem Banker sagte meine Mutter, da er skeptisch war, das sei „für die Enkel!!!!“ Die Polizei durfte ich nicht einschalten, sonst wäre ich nicht mehr die Tochter gewesen! Ich kriege – statt wie erst zu schmunzeln – gleich noch schlechte Laune. Bitte, Beate, entschuldige, es kam wie es kommen musste: deine Teppichgeschichte triggert die meine an! Es ist einfach herrlich schrecklich oder schrecklich herrlich!

    • Ines sagt:

      An den Teppichkauf deiner Mutter kann ich mich noch gut erinnern. Echt kriminell. Über so etwas kann ich mich auch nach Jahren noch aufregen.

  2. Ines sagt:

    Es ist ein Wahnsinn wieviel Geld früher für diese Perserteppiche ausgegeben wurde, die heute kein Mensch mehr haben will. Meine Eltern haben auch so teure Stücke und uns schon instruiert, diese wegen ihres hohen Wertes nicht wegzuschmeißen, wenn wir sie einmal erben. Aber ehrlich gesagt, würde ich sie nicht in die Wohnung legen. Schöne antike Möbel wären m. E. eine bessere Investition gewesen.

  3. Renate sagt:

    … es war einmal ein Teppichhändler, zum niederknien schön… bloß was hilft die Schönheit?

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