Teppichhändler, Kornkreis und Sonntagsblues
Beim Teppichhändler war es richtig gut! Zuhause lag bereits die Bestätigung der Versicherung parat, dass ich im Ernstfall einen Rechtsanwalt einschalten kann. Dort, im Lager in Olching, traten Alina und ich zusammen im Team erfolgreich auf. Ich formulierte meine Beschwerde, Alina bestätigte sie und der Teppichhändler versuchte erst einmal alles Mögliche, um zu beweisen, dass ja gar nichts passiert sei, schleppte haufenweise Teppiche her, drehte sie von vorne nach hinten und von links nach rechts. Es war ein mürbes Unterfangen, aber zum Schluss lenkte er ein . Er wird den Teppich so behandeln, dass die Seide nicht so krumpelig ist und die Rottöne aufgefrischt werden. Wenn ich damit einverstanden bin, ist er froh, versicherte er und verabschiedete uns mit bittersäuerlicher Miene. Am Abend fuhren wir zusammen zu Rainer. Er zeigte uns einen Kornkreis. Inmitten dieses Kornkreises stand eine schöne junge Frau mit langem Haar und Strohhut auf dem Kopf. Wir kamen miteinander ins Gespräch, standen herum bis es dunkel war und die Mücken über uns herfielen. Auf dem gemeinsamen Weg zu den Autos erzählte sie mir, dass sie Ärztin sei und gänzlich mit dem Arbeiten aufhören muss, weil sie ihr Leben neu organisiert muss. Ausgebrannt. „Dann muss sie erst einmal ihren Porsche verkaufen“ meinte Rainer später zu mir. Ja, wenn Luxus wichtig wird, ist der Fall in die Tiefe krass, wenn das Leben wieder einfacher gelebt werden will. Trotzdem traurig: ein langes Studium und dann frisst Einen eines Tages das Arbeiten auf. Heute ist ein langer Abschiedstag . Morgen Mittag habe ich meine vier Wände wieder ganz für mich allein. Es ist ein wenig öde und die beiden gehen mir immer wieder auf die Nerven
Der bildschöne Teppichhändler und zwei starke Frauen, bravo. Erst dachte ich die Frau im Kornkreis ist wie im Märchen, bis ich die bittere , wahre Geschichte las.
Ich habe zweimal davon gehört: eine junge Ärztin, die am Anfang ihrer Laufbahn erkannte, dass sie so nicht arbeiten kann und will. Und eine Opernsängerin, die sich wie eine Prostituierte fühlte, als sie bereits auf der großen Bühne gelandet war. Hut ab, wenn man aus der Erkenntnis Konsequenzen zieht. – Offenbar geht es uns momentan ähnlich. – Und: erfolgreich, aber reichlich zeitaufwändig, das Teppichunternehmen.