Arbeit, Besorgungen und ein Eingeständnis
Jetzt beginnt die Zeit, wo viele Münchener in den Urlaub fahren. Die Straßen sind nicht mehr so überfüllt, bei so schönem Wetter wie heute sind die Leute besser gelaunt. Auch im Gesundheitsministerium sind viele Leute im Urlaub, was dazu führt, dass ich statt einer Antwort eine Mail bekomme, wie lange derjenige Kollege nicht erreichbar ist. Viele Beschwerden habe ich heute wieder zu beschwichtigen versucht. Manchmal ist es ein zähes, endloses Unterfangen, sich geschmeidige Formulierungen aus den Fingern zu saugen. Um fünf Uhr nachmittags dann mein Termin beim Optiker. Wie viel lieber hätte ich mit Heike Backhendl gegessen! Aber die Brille musste abgeholt werden, es ist meine einzige „richtige“ (mit der Computerbrille kann ich nicht in die Weite schauen). Also habe ich mich aufs Rad gesetzt und bin in die Amalienstrasse gefahren. Auf dem Rückweg noch kreuz und quer durch Schwabing. Dann habe ich mein Auto geholt und bei Sirena vorbei geschaut, um all die Sachen abzuholen, die ich im Baumarkt für sie eingekauft hatte und die ich morgen umtauschen muss. Schrauben, Blumenkästen-halterungen, eine Vorhangstange. Sirenas Wohnung ist seit ein paar Wochen eine einzige Baustelle. Walter hilft ihr sehr und bohrt in die brüchigen Altbauwände, montiert und sägt. Und was ich dafür anschleppe, habe ich beim Einkauf nicht gründlich genug begutachtet. Ich sehe es ein: In handwerklichen Angelegenheiten bin ich einfach talentfrei. Sirena ist es auch. aber sie darf ja nichts tragen und ist somit „raus“ aus leidigen Einkäufen im Baumarkt
Da ist so ein Walter Gold wert. Kann er nicht auch gleich noch die Einkäufe und Umtäusche machen? Wie schrecklich, wenn zum eigenen Haushalt immer noch was dazukommt. Ich frage mich, woher du die Energie nimmst. Es ist ja auch ein Lied ohne Ende, ein Haushalt wird nie „fertig“.
München ist in der Ferienzeit sehr viel angenehmer, die beste Zeit um in der Stadt Urlaub zu machen. Du musst ja allerhand umtauschen.
Irgendwie werde ich nicht richtig schlau aus deiner Tochter. Warum hat sie Baustelle und baut um, wenn sie so beeinträchtigt ist? Sie wohnt doch schon länger in der Wohnung und ist doch nicht gerade erst eingezogen.
sie braucht neue Wohn-Bedingungen. Sie soll nicht sitzen und braucht einen Stehplatz um zu arbeiten. Sie brauchte eine Duschkabine, weil sie nicht mehr in die Wanne steigen kann. Sie braucht Platz um ihre (Kranken-) Gymnastikübungen zu machen, usw.Es geht so in die Richtung, dass die Wohnung behindertengerechter gestaltet wird. Es ist mistig. Sirena redet nicht drüber, vielleicht habe ich deswegen ein schlechtes Gefühl, schreibe nur bruchstückhaft, weil ich mich ihr gegenüber indiskret fühle.Vielleicht sollte ich gar nicht darüber schreiben. Doch manchmal fließt es einfach aus mir raus. Für mich ist das alles schrecklich mit anzuschauen, die Schmerzen, das Hinken, die Tage, wo sie nicht mal hinken kann.Wenn ich in Aktion gehe, Umgestaltung der Wohnung organisiere, steh ich nicht so hilflos daneben. So ist das.