Verbrannte Kartoffeln, Netflix und ein Getränk
Nach einem Badetag gestern am Eizenberger Weiher hatte ich heute keine Lust vors Haus zu gehen. Vor einiger Zeit hatte ich hervorragende Kartoffeln gekauft, die ich gleich in der Früh kochen wollte, um später einen Salat davon zuzubereiten, mit Prinzessbohnen und Thunfisch, ein Rezept von Sarah Wiener, die Queen der österreichischen Küche, Gerichte wie ich sie aus meiner Kindheit kannte. Ich schnipselte an meinen Blumen auf dem Balkon rum, da fielen mir die Kartoffeln auf dem Herd ein. Sie waren zu schwarzer Kohle verbrannt und ich schleppte den Topf mit Inhalt zum Müll. Der Geruch hängt immer noch in der Wohnung. Ich hatte keine Lust, fertig aufzuräumen, meine derzeitige Lektüre, „Das Jahresbankett der Totengräber! lockte mich ebenso wenig wie der „Spiegel“, ich schaltete Netflix ein. Da gab es einen Film, „I Tonia“, den ich vor zwei Jahren im Monopol anschauen wollte und nicht dazu gekommen war. Es geht um die Biografie einer Eiskunstläuferin, die aus prekären Verhältnissen kam und von ihrer Mutter schon im frühen Kindesalter aufs Eis geschickt wurde. Eine toxische Beziehung. Diese Mutter, voller Ehrgeiz auf ihre Tochter fixiert, dabei aber weit davon entfernt, liebevoll zu sein. Und später ein Mann, der sie prügelt und von dem sie nicht loskommt , insgesamt eine erschütternde Geschichte. Alina rief an, wir redeten über Afghanistan und über die FDP. Wie es ihr grad geht, erfuhr ich nicht. Monika, unsere „Chefin“ (ich habe schon mal von ihr geschrieben), rief auch an und lud mich für heute Abend auf ein Getränk ein. Wir sehen uns nur alle heilige Zeiten, aber wir haben spannende Themen, reden natürlich viel über das, was uns in der Arbeit beschäftigt. Heute Abend also kein Tatort. Genug geglotzt…
Das ist lustig: wie es ihr geht erfuhr ich nicht. Erinnert mich an meine Ursprungsfamilie, wo es auch immer „um Themen“ gehen musste. Ein bisschen habe ich das auch übernommen. In meiner alternativen Zepterfamilie dagegen kroch man förmlich ins Innenleben der anderen hinein.
Dass du dich nicht schwarz geärgert hast über die verkohlten Superkartoffeln und den ruinierten Topf, ganz abgesehen davon, dass das Gericht ohne Kartoffeln nicht funktioniert, wundert mich. Der I, Tonia Film erinnert an black swan, so gruselig.