21-08-20-CoTaBu-Sommerpause, ein Schreck im Team + Streicheleinheit

Ab heute Sommerpause. Etwas Ungelesenes aus dem AK Hospiz-Palliativ möchte ich noch lesen, u.a. das neu verbriefte Recht psychisch Kranker auf Gültigkeit ihrer Patientenverfügungen. Gregor sollte heute wieder da sein; mit ihm telefonieren. Gestern 12-Std-Tag hingelegt, wie das so ist, wenn man „fertig“ werden muss. Früh ging es überstürzt los: Anruf Sonja. Eine Kollegin lag mit V.a. Herzinfarkt in Erwartung des Notarztes, Sonja wollte einspringen in der Pflege, ich musste unten übernehmen. Sonja hatte dann eine Kostprobe meiner jungen „Beraterin“, die auch ihr sagte: ganz entspannt, ganz easy, kein Stress, wir machen, was wir können…aber Sonja ist auch anders gestrickt. Renate H. wurde noch, bevor ich da war, vom Notarzt beruhigt, EKG war ok, Sonja blieb oben, unten bei mir dann tote Hose. So konnte ich Bachblüten anbieten, ein bisschen dableiben (sie lag im Angehörigenzimmer), bis ihre Augen schwer wurden und sie einschlummerte. Später ließ sie es sich nicht nehmen, selber heimzufahren. Ich hatte Zeit, in Ruhe Post für Ehrenamtliche vorzubereiten, die in meiner Abwesenheit Geburtstag haben; aufzuräumen. Auch eine Kondolenz für den Sohn der Patientin, der ich kürzlich das Essen mit Freuden eingegeben hatte. Am Nachmittag nahm die Arbeit Fahrt auf. Da ich einen Termin und meine Leserinnen hatte und sich bis dahin allerhand ereignete wurde es dann richtig spät. Unsere Vogelmutter, die sich nach nach ihren 14 freifliegenden Kindern heimsehnt und Null Krankheitseinsicht hat, ist in eine Psychose gerutscht: Ihr Nachbar landete spontan bei mir – dann termingerecht der schwule jüngere Lebensgefährte einer Greisin. Für diese Gespräche habe ich derartig Streicheinheiten und Resonanz bekommen, dass aller Frust vergessen ist und ich wieder weiß, wofür ich in diesem Beruf bin. Lesegrüppchen wunderschön, mache ich aber nicht mehr im Garten. Es wirkt so zwanglos und einladend, dass jeder einfach hingeht und losquatscht. Um 21:00 heimgekommen. Eine tiefhängende Riesenmondlaterne stieg zwischen den Häusern auf.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

2 Kommentare

  1. Ines sagt:

    In dem Notfall warst du mit Sonja scheinbar doch eine gutes Team. Zum Glück nur ein Fehlalarm. Resonanz ist wichtig. Schön, dass du am letzten Tag noch so ein gutes Gespräch hattest, das dich daran erinnert, wie wichtig und sinnvoll deine Arbeit ist. Lesegrüppchen im Garten ist eine Augenweide, bleibt sicher nicht unkommentiert von Vorbeigehenden.

  2. Renate sagt:

    Wie gut dass sich das mit dem Herzinfarkt nicht bewahrheitet hat. Ein Schock war es für R. und für euch auf jeden Fall. Das Sonja in der Pflege einspringen konnte war ein großer Vorteil. Das Schwere, auch die Frustration und das Leichte, auch das Schöne liegen nah beieinander, in deiner Arbeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert