Heutige Anstrengungen
Die Zustände in Afghanistan sind so furchtbar. In meiner Pause habe ich heute auf Phoenix die Debatte nach der Regierungserklärung der Bundeskanzlerin angeschaut. Streit darüber, was alles falsch eingeschätzt worden war, was alles versäumt wurde. Erschütternd, es geht um all die Menschen, die nicht rechtzeitig ausgeflogen wurden, die Frauen, die ihre Hoffnungen auf eine freie Entwicklung, auf Bildung und politischen Einfluß begraben müssen und nicht zuletzt um die dramatische Weichenstellung im Weltgeschehen. Zum vorletzten Tag im GP: Im Laufe der Zeit, in der ich im Gesundheitsministerium gearbeitet habe, konnte ich Wellen der Empörung beobachten. Jetzt ist es wieder so weit, ich hatte pausenlos Anrufe von empörten Petenten, die keine Fragen hatten, sondern sich lediglich auskotzen wollten. Als es vier Uhr nachmittags war, war ich ausgelaugt von all diesen anstrengenden Gesprächen, den Vorwürfen, die oftmals sehr gut nachzuvollziehen sind, der Wut, dass man den MP nicht persönlich anschimpfen kann. Als ich mit dem Rad zum Einkaufen fuhr, war ich nicht gerade bester Laune. Trotzdem habe ich alle Vorbereitungen am Abend geschafft. Betten überzogen, Gästezimmer frei geräumt, Küche und Bad geputzt . Jetzt bin ich bettreif!
Wenn sich die Leute bis zum letzten Moment „nur“ auskotzen bei dir, fällt der Abschied am Ende leicht und es gibt keinen Grund, der Aufgabe nachzutrauern. – Nicht nur, was in Afghanistan passiert, erschüttert: es häufen sich glaubhafte Berichte über frühe Warnungen, Handlungsvorschläge, Mitteilungen über eindeutige Entwicklungen, denen kein Gehör geschenkt wurde, die einfach systematisch ignoriert wurden. Das ist fatal.
Mich beschäftigt Afghanistan auch sehr. Es ist nicht zu verstehen warum unsere PolitikerInnen nicht früher reagiert haben, warum sie alle Warnungen überhört haben.