21-08-28-CoTaBu- Freudebringender Besuchstag + Anni im Gefängnis
Wenn ich, wie geschehen, alles an Ruheluxus ansammle, und DANN mache ich einen Besuch, wird es etwas ganz Besonderes. Es ist wie das sogenannte Sonntagskleid. Es tritt als etwas hervor, das sich wahrhaft genießen und wovon sich zehren lässt. Ich hatte Bedenken, ob ich wirklich ZWEI solcher Dinge an einem Tag tun sollte, aber das hat sich ergeben. Mit Jonas (seit Kindergartenzeit, jetzt 30-jährig) zwei Stunden-Gespräch (Wohnungsbesichtigung/ Lebensbetrachtungen/Kaffee und „Teilchen“); er hatte sich keine Verstärkung dazugeholt – für mich beachtlich. Später bei Renate habe ich mich abends nur erhoben, weil ich nicht „zur Sabrina werden wollte“, die man am Ende raustragen muss. Da kommen Dinge zusammen. Erwartetwerden. Tisch gedeckt. Unterschiedliche Sitzerlebnisse (vom Sessel aus Blick aus Renates Fenster – Perspektive einnehmen, die ich vom Blog kenne, wenn die Wolken ziehen), die „fremde Umgebung“ in mich aufsaugen; was liegt hier auf dem Bücherstapel?; Nusszopf und Silvies Kuchen am Tisch mit Blick auf Lollos Puppengeschirr und Buddha genießen, vertraute Gespräche, die Erfahrungen betreffen, die wir teilen; lachen; Geduld mit meinen Fragen; der bewusste, teils unbewusste Blick auf das andere Leben. Teil des Genusses ist hinterher das Aufgefülltsein mit Eindrücken. Das spricht für Besuch zu Hause, anders als gemeinsamer Spaziergang (auch schön) oder Cafébesuch; per-sönlicher. Auf dem Heimweg ungeheure Wolkenberge, unheilvolles Zusammenbrauen der mittlerweile gewohnten Wetter. Zuhause fand ich die Nachricht, dass Michaels Mutter vermisst und von ihm zwei Stunden lang per Fahrrad gesucht – bei der Polizei/ Landshuter Allee abzuholen sei. Ein Passant hatte sie schon geraume Zeit vor dem Revier patroullieren sehen. Keine Ahnung, wie sie soweit gekommen ist. Michael brachte sie per Taxi zurück. Das ganze Heim wusste bescheid und alle freuten sich. Sie gab an, keinen Hunger zu haben. Sie habe schon „im Gefängnis“ gegessen. – Leider Nackenstarre.
Wenn es nicht so eine Sorge wäre mit Anni, dann könnte man wieder herzlich lachen über ihren Ausflug ins Gefängnis. Armer Michael. Richtig schön, wie du den Besuch bei Renate beschreibst, alles würdigst und aufsaugst und danach noch davon zehrst.
Wie meine Tante Olga, die immer wieder aus dem Altersheim verschwunden ist, um ihre Mutter zu suchen. Irgendwann wurde sie dann geschlossen untergebracht, was Michaels Mutter hoffentlich erspart bleibt. Das sie sagt sie hat im Gefängnis gegessen ist schon lustig. Gerne hättest du gestern noch bleiben können.