Herbst kündigt sich an
Gestern war ich abends verabredet und kam zu spät nach Hause, um noch in den Blog zu schreiben. Stimmungsmäßig ist es ein großer Unterschied, ob ich morgens den blauen Himmel begrüße oder den Dauerregen. In der Früh habe ich mir mal wieder Zeit gelassen, da immer noch Yoga-Ferien sind. Lange im Bad zugebracht, mich und das Bad geputzt und gepflegt. Luisa kam von ihrer inzwischen Ex-Freundin, bei der sie ihre Sachen abgeholt hat und hat sehr geweint, so dass ich sie länger gehalten und getröstet habe. Über die Umstände und Gründe der Trennung weiß ich nichts, sie wollte auch nicht reden. Ich bin ganz froh, dass es keine on-off-Beziehung ohne Ende ist. Das dachte ich zunächst, weil sie die Nacht bei der Ex verbracht hat. Nachdem ich einkaufen war, war Luisa schon wieder bessere Stimmung. Ich hab gekocht und wir haben noch gemeinsam Mittag gegessen, bevor sie dann wieder nach Innsbruck aufgebrochen ist. Ansonsten Wäsche und Haushalt, Post und Emails erledigt und wie immer Mittwochs mit Mutter telefoniert, bzw. mit Schwester, die das Sprechen übernahm, während sie bei unserer Mutter war und das Handy auf laut gestellt hat. Am Telefon kann ich meine Mutter gar nicht mehr verstehen. Mein Ex-Mann Sören ist nächste Woche in Bielefeld, um Freunde zu besuchen. Er fragte mich, ob er wohl meine Mutter mal kurz besuchen kann, wenn er eh dort ist. Das hat mich schon überrascht. Noch mehr überrascht war ich, dass meine Mutter auf meine Anfrage gesagt hat, sie freut sich, wenn er sie besuchen kommt. Und das, obwohl sie eigentlich jeden Besuch von Bekannten abwehrt, weil ihr das zu anstrengend ist!. Meine Verabredung mit Irmgard am Abend war in Giesing am Bahnhof in der Gleiswirtschaft. Das ist die Freundin, mit der ich mich nur einmal im Jahr treffe und mit der ich jedesmal Anlaufschwierigkeiten habe. Ich finde sie sehr sperrig und im Gespräch unflexibel. Gestern war ist so irritiert davon, dass in ihrem ansonsten hübschen Gesicht ein weißes langes Haar von einer Augenbraue ihr fast ins Auge hing. Ich musste sie darauf ansprechen, weil ich so abgelenkt von diesem einzelnen Haar war und ich annahm, dass ihr das nicht bewusst war. Aber sie wusste davon und zupft es absichtlich nicht heraus. Solche Nebensächlichkeiten machen mich manchmal fertig. Das Gespräch drehte sich dann hauptsächlich um ihre Probleme. Ihr Partner seit 8 Jahren, mit dem sie aber nicht zusammenlebt, hat jetzt den 21 jährigen Sohn bei sich einziehen lassen, der bei der Mutter rausgeflogen ist. Dieser Sohn macht Irmgard nun den Platz beim Vater streitig, besetzt ihr Zimmer, sitzt auf ihrem Platz am Tisch und benutzt ihr Fahrrad und behandelt sie total unhöflich oder ignoriert sie. Wir haben das Problem von allen Seiten beleuchtet und überlegt, wie sie sich am besten verhalten kann. Letztendlich muss der Vater des Jungen Stellung beziehen. Hier wäre Familientherapie indiziert. In der eisigen Kälte nach der Verabredung wieder heim geradelt und heute morgen auch gleich wieder aufs Rad in die Arbeit. Jetzt mach ich Feierabend. Heute mit Hubert und einem Paar im Biergarten verabredet. Das wird frisch, aber jetzt muss man schon fast die letzten Abende, die möglich sind, ausnutzen zum draußen sitzen.
Ich finde schön, dass deine Mutter Sören empfangen und er sie besuchen will. Das freut mich sogar! Arme Luisa! Was ist schlimmer als Trennungsschmerz?! – Bei getrennten oder alleinerziehenden Eltern spielen ja immer Schuldgefühle mit; die erklären, warum ein Elternteil bei dem beschriebenen Verhalten zusieht. Sowas entsteht nicht aus dem Augenblick. Es wäre eine Frage der Gesamtbilanz, ob es „not-wendig“ ist, dem Sohn offenkundig den Vortritt zu geben. Ein unwürdiger Zustand, mit oder ohne weißes Ziegenhaar aus der Braue.
ich saß in den letzten Tagen auch viel draußen , bis es spät und kalt war. Einmal habe ich mir danach sogar das Heizkissen ins Bett geholt. Ja, der Sommer ist vorbei. Wie schön, dass Deine Mutter und Sören sich sehen werden! Wenn Du Deine Freundin so selten siehst, ist es dann nicht anstrengend, dass sie nur über ihr Problem redet? Wollte sie wissen, wie es Dir geht?
Ja, sie hat schon gefragt, wie es mir geht, aber ich hatte das Gefühl, sie hat nicht wirklich zugehört, da sie mit ihren Themen innerlich noch so beschäftigt war. Zuhören ist eine Gabe, die viele Menschen nicht haben, stelle ich oft fest.