21-11-01-CaTaBu-Goldener Ausflug, triste Einkehr +untergründige Fragen
Meine gestriges frühmorgendliches Sinnieren mündete in einen Anruf bei Renate. Sie fragte, was ich zu bieten hätte und ich sagte: gar nichts. Wenn wir dann traulich die Würm entlang schlendern ist mir ein Rätsel, dass wir so selten auf diese Idee kommen. Besonders hat mir gefallen, als Renate just in dem Moment, als ich auf das japanische Gesicht der Landschaft und des Wassers hinweisen wollte, sagte, es sei so buddhistisch. Dieses Plätschern und Murmeln, dieses Glitzern; Äste, die im Wasser liegend den Fluss stauen und manch kreiselnden Strudel hervorbringen; auf manchem Totholz wächst bereits ein neues Bäumchen; Entenfamilen tummeln sich. Im gleißenden frühen Mittagslicht von Ruheplatz zu Ruheplatz wandelnd ins Gespräch vertieft – schön! Nachher schwitzten wir ärmellos auf dem Balkon, wo sie geübt Wanzen wegklatschte. Es stand lecker Apfelkuchen bereit, wer sollte da widerstehen?! Viele Themen durchwoben von manchem Lebensbereich. – Desweiteren habe ich mich – ganz Tochter meiner Mutter – auf Beates Anregung gleichmal um Napoleon und Heine gekümmert, obwohl mich Napoleon gar nicht interessiert. Aber natürlich hatte ich manch köstlichen Vers gelesen, z.B. von den Grenadieren:…“Was schert mich Weib, was schert mich Kind…“. Der Tag hat wahrhaftig ein glitzerndes Gesicht bekommen. Auf dem Heimweg am Friedhof habe mich geärgert, weil Oma Renate offenbar das Kreuz eingesprüht hatte, das einem hölzernen Papstkreuz nachempfunden ist und alles andere als fettglänzen sollte. Heute bleibe ich zu Hause – mir selber stundenlang halblaut Heine vorlesend, kochend, dümpelnd, meinen morgigen Arbeitsstart leider unfroh im Hinterkopf. Ob ich doch noch Seelenkerzlein betrachten gehen sollte? Ach nein, es regnet ja! Unterschwellig – beim Mittagsmahl von Michael angesprochen und meinerseits gleich abgewürgt – die Frage, was ich eigentlich vorhabe, wenn….es soweit ist. Da bleibe ich noch ganz zurückhaltend „geheim“. Dennoch: Die Frage arbeitet.
Nach zwei Wochen Krankheit, deiner Selbsteinschätzung, “ mich vermisst niemand“ ( was ich nicht glaube) dem Nicht stattfinden deiner spirituellen Impulse und überhaupt nach 16 Jahren soll jemand frischen Wind reinbringen, verstehe ich deine Unlust morgen im Hospiz anzutreten.
Da können wir gespannt sein, was bei dir danach kommt. Ich hoffe, dein Tag heute war nicht so schlecht wie befürchtet. Euer Würmspaziergang, auch aus deiner Perspektive erzählt, hört sich sehr schön an.